Direkt zum Inhalt

Flagge zeigen für die Demokratie

Wenn der wissenschaftliche Diskurs zu einem Wettbewerb der lautesten Meinungen wird, haben die Autoritären gewonnen. Es wäre das Ende der Hochschulen, wie wir sie kennen. Das müssen wir verhindern. Ein Gastbeitrag von Jutta Günther.
Porträtfoto Jutta Günther vor roter Wand

Jutta Günther ist Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlerin und seit 2022 Rektorin der Universität Bremen. Foto: Matej Meza.

DISKUSSIONEN UM DEN ERHALT VON DEMOKRATIE und Freiheit an den Hochschulen reißen nicht ab. Ganz im Gegenteil. Sie nehmen angesichts antidemokratischer Bestrebungen, derzeit vor allem unter dem Eindruck dramatischer Einschränkungen der Wissenschaftsfreiheit in den USA, zu.

Antidemokratische Bestrebungen gehen von innerhalb der Hochschulen, etwa von dialogverweigernden Gruppierungen, aber auch von außerhalb durch die globale Zunahme autokratischer Politik aus. Die öffentliche Positionierung der Hochschulleitungen zu diesen einschneidenden Entwicklungen ist wichtig. Im aktuellen Podcast "Das werden wir verhindern" im Wiarda-Blog diskutieren drei Kolleg:innen aus Hochschulleitungssicht und werfen dabei auch die Frage auf, ob Hochschulen angesichts der Lage aktiv(er) werden sollten. Meine Antwort: Ja, es ist an der Zeit, Flagge zu zeigen für die Demokratie.

Gewiss, oberflächlich betrachtet könnte man fragen: Wo ist das Problem? Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Wissenschaftsfreiheit genießen in Deutschland schließlich Verfassungsrang. Hochschulen sind Orte freier Forschung und Lehre, und sie besitzen Hochschulautonomie. Wenn sie sich, etwa ...

Sie sehen die gekürzte Fassung dieses Artikels

Der volle Zugang zu Artikeln, die älter sind als vier Wochen, ist nur für registrierte Unterstützer des Wiarda-Blogs vorgesehen.

Sind Sie bereits ein registrierter Benutzer / Unterstützer?
Hier können Sie sich einloggen.

Nein, ich habe noch kein Benutzer / Unterstützer-Konto:
zur Anmeldung

Kommentare

#1 -

Laubeiter | Di., 08.04.2025 - 12:05
Sie schreiben "Etwas mehr als ein Jahr nach Potsdam hat das Wort R*** in den öffentlichen Diskurs Einzug gehalten. " Das ist mir zu pessimistisch. Hat das Wort Einzug gehalten? Kennen Sie die Idee der Psychologen, dass Wiederholen, auch in Form einer Verurteilung, den Begriff verankert? Ich kann mit R*** wenig anfangen. Im Bundestagswahlkampf war von R*** wenig zu hören, oder?

#2 -

Da | Di., 08.04.2025 - 14:15
Vielen Dank für diesen wichtigen Gastbeitrag. Wir dürfen nicht aus den Augen verlieren, wo überall und auf welche - in der Tat schleichende - Art und Weise Wissenschaftsfreiheit eingeschränkt wird, als Teil eines größeren Prozesses, in dem immer auch andere Freiheiten unter autokratische, anti-pluralistische Räder kommen. Heute schauen alle auf die USA. Wir müssen in der EU aber auch vor unserer eigenen Haustür kehren.

#4 -

Berit | Do., 10.04.2025 - 11:34
Es ist ein wichtiges Thema, ja. Was mich an diesem Beitrag stört, ist zum einen der Aspekt, der im ersten Kommentar von Laubeiter angesprochen wird.Zweitens die Gleichsetzung von Rechts und Links. Was meinen Sie damit Frau Günther? Fakt ist, dass in Deutschland gerade Die Linke sich im besonderen Maße für den Erhalt von Demokratie und alle damit verbundenen Werte einsetzt. Man muss nicht alle ihre Positionen teilen oder diese Partei wählen. Aber gleichwohl sollten wir in Deutschland anerkennen, dass sich diese Partei im besonderen Maße für Menschenrechte, Gerechtigkeit und Demokratie eingesetzt. Insbesondere hinsichtlich Migration und Asyl. Genau dort, wo die ...

#6 -

Wolfgang Kühnel | Mi., 16.04.2025 - 22:57
Alle tun jetzt so, als sei ein politischer Einfluss auf die Wissenschaft typisch für "rechte" Regierungen. Dabei wird vergessen, dass man in der DDR den "wissenschaftlichen Marxismus-Leninismus" als "Grundlagenfach" etabliert hat und dass an jedem Fachbereich ("Sektion" genannt) eine Parteileitung der Einheitspartei existierte, die selbstverständlich mit der Stasi zusammenarbeitete. Druck auf Abweichler gab es reichlich, das Privileg, zu internationalen Tagungen fahren zu dürfen, setzte eine hohe politische Zuverlässigkeit voraus (Reisekader). Die Leute in der heutigen Linkspartei (und andere Genossen) scheinen das alles vergessen zu haben. Sie denken wohl: Wenn WIR Einfluss nehmen, ist es immer nur gut. Zu #4: Die ...

Neuen Kommentar hinzufügen

Ihr E-Mail Adresse (wird nicht veröffentlicht, aber für Rückfragen erforderlich)
Ich bin kein Roboter
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.
Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.

Vorherige Beiträge in dieser Kategorie


  • Screenshot von der Website der "Canada Research Chairs"

Macht es wie Kanada

Offene Türen reichen nicht: Wie strategisch ist Deutschlands Antwort auf den US-amerikanischen Brain Drain? Ein Gastbeitrag von Julian Dierkes.


  • Illustration der fünf Skill-Sets (digitaler) Informations- und Nachrichtenkompetenz.

Lesen. Schreiben. Rechnen. Denken!

Medienkompetenz ist die 4. Kulturtechnik. Doch ihre Vermittlung wird immer noch behandelt wie ein freiwilliger Kurs in "digitaler Gartenpflege". Ein Plädoyer für eine neue Bildungspolitik, die Demokratie schützt. Von Alexander Sängerlaub.


  • Porträtfoto von Britt Dahmen, Leiterin des Referats Chancengerechtigkeit an der Universität zu Köln

Passt bitte auf!

Ein Diskussionspapier der Leopoldina forderte die Entbürokratisierung des Wissenschaftssystem und liegt damit im Trend. Gefährlich wird es, wenn dabei Aufgaben, die für den Erhalt der Demokratie fundamental wichtig sind, zum unverbindlichen Nebenzweck erklärt werden. Ein Gastbeitrag von Britt Dahmen.


Nachfolgende Beiträge in dieser Kategorie


  • Porträtfoto von Britta Baron im Sonnenschein.

Keine Zeit für Zögerlichkeiten

Helfen ohne Beigeschmack von Schadenfreude und hämischer Bereicherung: Wie die deutsche Wissenschaft bedrohten US-Wissenschaftler/innen umgehen sollte. Ein Gastbeitrag von Britta Baron.


  • Headshot von Achim Wiesner.

Weniger Programme, mehr Mittel

Der schwarz-rote Koalitionsvertrag hat die Chance verpasst, die Hochschulförderung zwischen Bund und Ländern neu zu ordnen. Wie ein schlankes Modell aussehen könnte. Ein Gastbeitrag von Achim Wiesner.


  • Porträtfoto von Thomas Kohl

Mehr als Regeln: Wie Compliance Wissenschaftseinrichtungen schützt

Die Lehren von Fraunhofer und Co. sind klar: Compliance Management ist keine einmalige Maßnahme, sondern ein fortlaufender Prozess, der alle Ebenen einer Organisation durchdringen mussen. Ein Gastbeitrag von Thomas Kohl.