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Die Exzellenzstrategie ist nicht das Problem – sie zeigt das Problem

Ein Essay über den Nebenschauplatz, den viele zur Hauptsache machen – und die eigentliche Debatte über Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit, die Politik und Wissenschaft lieber meiden.
Die Exzellenzstrategie ist nicht das Problem - Illustration KI-generiert

Illustration KI-generiert.

DIE WOCHEN 1 UND 2 nach der Exzellenzcluster-Kür brachten die üblichen Debatten, nachvollziehbar auch in der Kommentarleiste hier im Blog . Das Förder-Missverhältnis zulasten der Geistes- und Sozialwissenschaften sei "katastrophal", Aufwand und Ertrag stünden bei der ExStra "in keinem irgendwie nachvollziehbaren Verhältnis"; mancher raunte gar, die Entscheidungen seien ohnehin "politisch" motiviert gewesen, nicht wissenschaftlich.

Zur Frage der Fächerverteilung gibt es von der DFG jetzt erste statistische Anhaltspunkte , die zumindest die Schlussfolgerung zulassen, dass sich hier nicht mehr viel verschoben hat. Der Vorwurf eines politischen Geschiebes wiederum mag 2018 berechtigt gewesen sein . Dieses Jahr allerdings war er es so wenig, dass man umgekehrt sogar fragen könnte, ob nicht etwas mehr politischer Einfluss gerechtfertigt gewesen wäre angesichts der Vergabe von 3,8 Milliarden Euro an Steuermitteln über die nächsten sieben Jahre.

"#IchbinHanna"-Initiatorin Amrei Bahr schrieb unterdessen von der " großen Exzellenzinszenierung " und kommentierte: "Es weckt Zweifel, wenn das Antrags-Game mitsamt seinen teils fragwürdigen Spielregeln den Beteiligten aufnötigt, zu PR-Strateg_innen für ihr Forschungsvorhaben zu werden, die der Vermarktung gegenüber wissenschaftlicher Redlichkeit den Vorzug geben müssen."

Auch dies trotz ihrer bestechenden Klarheit keine neue Kritik und wie fast alle erwähnten Aspekte teilweise schon mehrfach öffentlich durchdiskutiert, auch in diesem Blog. Genau wie die alles verbindende Frage, ob die Abschaffung der Exzellenzstrategie vielleicht doch die beste Strategie zur Steigerung wissenschaftlicher Exzellenz und Integrität an deutschen Hochschulen sein könnte.

Programm mit ungesicherter Zukunft

Dass die langfristige Zukunft der "ExStra" trotz aller Beteuerungen alles andere als gesichert ist, zeigt die Beflissenheit, mit der Wissenschaftsministerinnen und Wissenschaftsminister, auch aus erfolgreichen Bundesländern, nach der Cluster-Entscheidung auf die geplante Vorverlegung der Evaluation des Programms verwiesen: Eigentlich war sie laut Bund-Länder-Vereinbarung erst für 2035 vorgesehen, doch der schwarz-rote Koalitionsvertrag machte sie kurzerhand zur Voraussetzung für "eine mögliche Förderperiode ab 2030 " – und schob ...

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Kommentare

#1 -

Amrei Bahr | Mi., 04.06.2025 - 15:22

Dass es dringend eine bessere Grundfinanzierung braucht: d'accord. Das Argument, die ExStra sei kein Negativ-Beispiel, das die "Schieflage der deutschen Forschungsförderung" zeige, leuchtet mir aber nicht ganz ein, wenn dabei nur das ExStra-Budget berücksichtigt wird und nicht die Gesamtkosten für die Antragstellung mit einberechnet werden. Das Netzwerk Nachhaltige Wissenschaft hat nicht ohne Grund bei DFG und Wissenschaftsrat angefragt, welche Kosten an den Universitäten für die Antragstellung anfallen (und die Antwort erhalten, dass dies nicht erhoben werde, s.

https://netzwerk-nachhaltige-wissenschaft.de/?p=449 ). Dass es dringend mehr Grundfinanzierung geben muss, ist die eine Sache -- eine weitere ist aber das Binden von Kosten, Zeit ...

#2 -

Th. Klein | Mi., 04.06.2025 - 16:29

Die Chance auf eine Realisierung der ursprünglichen Ideen echter Leuchttürme, sehe ich nicht. Auch wenn der Förderalismus-Aspekt zurückträte, so wäre dies vielleicht umsetzbar, wenn drei eindeutige Spitzenreiter 1x im Süden, 1x im Westen und 1x im Osten liegen würden. Aber wenn man sich die Geschichte der ExIn/ExStra ansieht, dann ist ja offensichtlich, dass sowohl TUM als auch LMU dabei sein müssten, also gleich zwei aus dem Süden und sogar aus dem gleichen Bundesland. Und dies in einer Zeit mit einer bay. Wissenschaftsministerin. Obwohl die Fakten dafür sprächen, würde es ein

Geschmäckle bekommen. Also letztlich undenkbar.

#3 -

Lilly Berlin | Mi., 04.06.2025 - 21:08

Ein Aspekt fehlt mir in dieser Betrachtung vollständig, nämlich, dass sich die gewünschte Leuchtturm-Exzellenz im wesentlichen an der Forschungsleistung orientiert. Das ist für eine Universität ein zumindest fragwürdiges Ziel, weil dabei die Lehre völlig aus dem Blick gerät. Man mag einwenden, dass gute Forschung Grundlage für für Lehre ist. Bei der von der Politik in Deutschland vorgesehenen hohen Lehrverpflichtung ist die Realität aber eher die, dass entweder gut geforscht oder gut gelehrt wird, nur selten beides (und oftmals auch keines davon). Wie kommt das ? Während bei den US Vorbildern jeweils eine Handvoll Studierende auf eine Lehrperson kommt und diese ...

#4 -

Laubeiter | Do., 05.06.2025 - 14:50

Der Autor hebt auf Universitäten der USA ab als unerreichbares Ideal und lobt eine Einzelmeinung eines Deutschen, der mal Ende der 1980er in Harvard studiert hat, weil der Autor die Meinung dieses Harvard-Alumnus teilt, Harvard spiele in einer anderen Liga. Kontostand und Qualität werden in eins gesetzt, Milliardäre sollen es retten. Ich sehe noch andere Faktoren als Geld am Werk. Was ist mit Großbritanniens Spitzenforschung an seinen staatlichen Universitäten - kann man aus der auch was lernen? 100,000 Genomes UK ist ein öffentliches Projekt der Spitzenforschung. Was ist mit Deutschlands Sonderweg, Spitzenforschung über lebenslange Berufungen an öffentlich finanzierte MPIs zu ...

#5 -

Gerhard Duda | Di., 10.06.2025 - 12:30

Grundsätzlich stimme ich der Beobachtung zu, dass man in Deutschland lieber über die Mängel der ExIn/EXSTRA als über die im Weltmaßstab nicht ausreichende Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Wissenschaftssystem spricht. 

Mir fehlt in der Betrachtung dabei aber erstens die Frage, ob es gut ist, gleichvolumig ein universitäres wie außeruniversitäres Forschungssystem in Deutschland zu finanzieren. Ein großer und immer wieder zu betonender Vorzug der ExIn ist hier in meiner Sicht, dass außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und Universitären - unter finanzieller und oft auch inhaltlicher Führung der Universitäten - zur Zusammenarbeit angeregt/genötigt werden. 

Zweitens ist auch zu fragen, ob wir globale Exzellenz immer wieder nur im ...

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