Direkt zum Inhalt

Worauf warten wir?

Wie die Demokratie jetzt in Hörsälen, Bibliotheken und Mensen verteidigt werden muss. Ein Gastbeitrag von Matthias Anbuhl.
Aufnahme von Matthias Anbuhl mit Mikrofon an Konferenztisch.

Matthias Anbuhl ist seit Oktober 2021 Vorstandsvorsitzender des Deutschen Studierendenwerks. Foto: Jürgen Sedlmayr.

IM JAHR 1958 blickte der deutsche Schriftsteller Erich Kästner auf die Bücherverbrennung durch die Nazis auf dem Berliner Opernplatz im Mai 1933 zurück. "Man darf nicht warten, bis aus dem Schneeball eine Lawine geworden ist. Man muss den rollenden Schneeball zertreten", schrieb er. "Die Lawine hält keiner mehr auf."

Nein, Geschichte wird sich nicht 1:1 wiederholen. Deutschland und Westeuropa stehen (hoffentlich) nicht vor dem Wiederaufstieg des alten Nationalsozialismus. Doch der Schneeball der illiberalen Autoritären hat längst wieder eine gefährliche Größe erreicht und droht, grundlegende demokratische Werte wie Minderheitenrechte, Gewaltenteilung, eine unabhängige Justiz, Pressefreiheit und auch die Wissenschaftsfreiheit zu überrollen. Der Grundgesetz-Artikel 1 ("Die Würde des Menschen ist unantastbar") wird in Deutschland von einer gesichert rechtsextremen Partei de facto in Frage gestellt. Und: Diese deutsche AfD ist selbst Marine Le Pen und ihrem "Rassemblement National" zu extrem, um mit ihr im Europaparlament eine Fraktion zu bilden.

Viele europäische Rechtsextreme schauen mit großer Freude zurzeit in die Vereinigten Staaten und wollen daraus ihre Lehren ziehen. Die Trump-Administration diskriminiert Minderheiten, ...

Sie sehen die gekürzte Fassung dieses Artikels

Der volle Zugang zu Artikeln, die älter sind als vier Wochen, ist nur für registrierte Unterstützer des Wiarda-Blogs vorgesehen.

Sind Sie bereits ein registrierter Benutzer / Unterstützer?
Hier können Sie sich einloggen.

Nein, ich habe noch kein Benutzer / Unterstützer-Konto:
zur Anmeldung

Kommentare

#1 -

Lilly Berlin  | Sa., 14.02.2026 - 17:02

Das derzeitige Wissenschaftssystem ist eher Teil des Problems. Die in der Demokratie gewachsenen Strukturen sind größtenteils unfähig, strukturelle und inhaltliche Probleme zu lösen, weil dort oft sinnlose politische Vorgaben Vorrang haben. Stets gibt es große Worte, aus denen dann nichts folgt, außer dass alles immer noch weiter bergab geht. Kein Wunder, dass es nur noch wenige gibt, die sich dafür begeistern.

#1.1 -

McFischer | Mo., 23.02.2026 - 15:26

Antwort auf von Lilly Berlin (nicht überprüft)

Liebe*r Lilly Berlin,

schön, wie auf 3,5 Zeilen mal eben die Wissenschaft, die Politik und die Demokratie als gescheitert bewertet werden. Es wäre schon sehr interessant, hier etwas mehr Substanz zu haben. Denn dass es "immer noch weiter bergab geht" ist aus meiner Sicht keineswegs der Fall. Weder in der Wissenschaft noch in der Demokratie - auch wenn beide durchaus in einer prekären Situation sind.

#2 -

Andrea Geier | Di., 17.02.2026 - 09:36

Danke für den Beitrag und Appell! Nur eine kleine Notiz am Rande: Es wird von "den umstrittenen Studiengängen" gesprochen. Wenn es um die Wissenschaftsfreiheit von Gender Studies, diversitätsorientierter Forschung etc. geht, wäre es gut, auf dieses Wording zu verzichten, weil es der wissenschaftsfeindlichen Propaganda der Rechten zuarbeitet.

Fachwissenschaftlich umstritten sind die Studiengänge nicht. Sie werden angegriffen. Wer einfach nur "umstritten" sagt, reproduziert die Idee, dass da zwei Seiten miteinander in Konflikt lägen. Das ist aber nicht der Fall. Es gibt Wissenschaft auf der einen Seite, Angriffe auf der anderen. Und genau diese klare Perspektive in die Öffentlichkeit zu tragen, ist ...

#2.1 -

Matthias Anbuhl | Sa., 21.02.2026 - 12:27

Antwort auf von Andrea Geier (nicht überprüft)

Vielen Dank für Ihr konstruktives Feedback, Frau Geier. Ich werde mein Wording künftig an diesem Punkt präzisieren. Inhaltlich sind wir da ja gar nicht auseinander.

#2.2 -

McFischer | Mo., 23.02.2026 - 15:29

Antwort auf von Andrea Geier (nicht überprüft)

Danke für den Kommentar.

Es ist völlig richtig: Gender Studies etc. sind nicht mehr (und auch nicht weniger) "umstritten" als andere Fächer - nämlich ganz im Sinne der Wissenschaft, indem Thesen, Theorien und Befunden diskutiert, in Frage gestellt, korrigiert, neu bearbeitet werden. Also "Wissenschaft as usual". 

Neuen Kommentar hinzufügen

Ihr E-Mail Adresse (wird nicht veröffentlicht, aber für Rückfragen erforderlich)
Ich bin kein Roboter
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.
Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.