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"Das ist erschreckend"

Acht Prozent der deutschen Professorinnen und Professoren hatten nach eigenen Angaben in den vergangenen sechs Monaten ein Burnout, berichtet die Hochschulforscherin Yvette Hofmann. Was die neue Studie PROFESS über die Professorengesundheit verrät – und wie Dauerstress und Liebe zum Beruf zusammenpassen.
Portraitfoto Yvette Hofmann.

Yvette Hofmann ist Wirtschaftswissenschaftlerin und leitet die Forschungsstelle für Higher Education Research and Governance an der Ludwig-Maximilians-Universität. Die Ergebnisse der PROFESS-Studie finden Sie hier Foto: Claus Uhlendorf (oh)

Frau Hofmann, auf einer Tagung in Köln haben Sie gerade die erste systematische Befragung zur Professorengesundheit präsentiert. "Wie gesund ist die Wissenschaft?", lautete die Überschrift. Und wie lautet Ihre Antwort?

Ich forsche seit Jahren zur psycho-sozialen Situation von Studierenden, und mich hat immer gewundert, dass es kaum vergleichbare Untersuchungen zum Wohlbefinden der zentralen Hochschulakteure, den Professorinnen und Professoren, gab. Dabei sind sie entscheidend dafür mitverantwortlich, wie gut es den Studierenden geht und auch den wissenschaftlichen Mitarbeitenden.

Im Sinne des amerikanischen Sprichworts: "If Mama ain't happy, ain't nobody happy"?

In gewisser Weise schon. Über 2.000 Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer an 47 staatlichen Universitäten und HAWs haben bei unserer Online-Befragung mitgemacht, dazu haben wir eine Reihe von Experteninterviews geführt. Unsere Methode erlaubt repräsentative Aussagen über die gesamte Professorenschaft in Deutschland. Generell schätzen die meisten Befragten, gut 53 Prozent, ihren eigenen Gesundheitszustand als durchschnittlich ein. Ein kleiner Teil etwa zehn Prozent sagt sogar: sehr gut. 



Ist doch eigentlich ganz erfreulich.



Interessant wird es, wenn wir uns die Antworten genauer anschauen. Nach konkreten Beschwerden befragt, berichten fast 60 Prozent von mentaler Erschöpfung. Mehr als 46 Prozent leiden unter Schlafstörungen, 38 Prozent an körperlicher Erschöpfung, und immer noch 30 Prozent an Antriebslosigkeit oder Konzentrationsschwierigkeiten. Alles klassische Frühindikatoren von Burnout.

"Die allermeisten finden, dass sie an sich einen tollen Beruf haben. 

Aber Gleichzeitigkeit und Umfang der Aufgaben erzeugen großen Druck."

Gleichzeitig sagen 44 Prozent der Profs, sie seien zufrieden oder sogar sehr zufrieden mit ihrer Arbeitssituation ...

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Kommentare

#1 -

McFischer | Fr., 06.03.2026 - 12:46

Guter Beitrag, gutes Interview, wichtige Studie.

Kein umfassender Kommentar, aber einige Beobachtungen und Anmerkungen:

1. Ja, die Aufgabenvielfalt und Aufgabenfülle der ProfessorInnen ist enorm. Ein wesentlicher Grund ist das Pyramidenprinzip in der deutschen academia. Nur wenige schaffen es an die Spitze, nur dort zählt man/frau aber als vollwertig, und entsprechend werden alle Anforderungen an diese Spitzenpersonen gestellt: (eigene) Lehre, (eigene) Forschung, Management von Forschungsgruppen und Lehrpersonal, Publikationen, Berufungskommissionen, Expertise für Politik und Verwaltung, akademische Mitbestimmung usw. Vergleiche mit dem Ausland wären hilfreich, wo sich diese Aufgaben viel breiter verteilen, weil die Pyramide halt schon in der Mitte breiter wird.

2. ...

#2 -

Andreas Drotloff | Fr., 06.03.2026 - 16:42

Es ist erfreulich zu lesen, dass die befragten Professor*innen grundsätzlich Bereitschaft zeigen, ihre Lehr- und Prüfungsformate zur Minderung des Drucks auf die Studierenden anzupassen. Wenn das tatsächlich Mehrheitsmeinung an den Hochschulen ist, möchte ich eine Maßnahme vorschlagen, die zur Umsetzung keine Kraftakte von individuellen Lehrenden verlangt: die Umstellung der Prüfungsmodalitäten auf das Bielefelder Modell, also die Abschaffung von Maximalstudiendauer und beschränkten Prüfungsversuchen.

Selbstverständlich ersetzt diese Maßnahme keine notwendigen lehr- und prüfungsdidaktischen Reformen, die vielerorts überfällig sind. Aber sie wäre ein dringend benötigtes Ventil, um zumindest für die Studierenden den massiven Druck und die mentale Belastung zu reduzieren, die im aktuellen ...

#3 -

Fumarius  | Fr., 06.03.2026 - 16:55

Auch hier wäre es interessant zu reflektieren, in welchem Maße die klassische 'Funktionshäufung' bei deutschen Professor*innen einen Beitrag leistet: Neben der Forschung und der Lehre sind sie eben immer auch Vorgesetzte und "Chefs" mit entsprechenden Verantwortungen und Pflichten; und bei so manchen scheinen mir diese grundsätzlich schon als 'lästig' empfunden zu werden. Könnte nicht auch hier ein Department-Modell helfen, in dem a) Personal- und Bugdetverantwortung anders verortet wird, b) kompetente Vollzeitunterstützungsstellen fürs 'Bürokratische' bestehen und c) numerisch mehr Professurenstellen bestehen,  die selbstständige Lehre,  Prüfungen, Selbstverwaltung und Promotionen besser aufteilen könnten?

#3.1 -

Wolfgang Kühnel | So., 08.03.2026 - 19:51

Antwort auf von Fumarius (nicht überprüft)

Dazu gehört jedenfalls auch die freiwillige Funktionshäufung durch Nebentätigkeiten, bezahlte Gutachten von externer Seite, Mitgliedschaften in wichtigen Kommissionen (z.B. StäWiKo). Manche haben nebenbei private und gewinnorientierte Unternehmen, dafür ist dann immer Zeit. Ein Informatik-Professor in Berlin (inzwischen verstorben) hatte ein Unternehmen mit Hunderten von Leuten, seine eigentliche Lehrtätigkeit wurde oft genug von Mitarbeitern übernommen:

https://www.tagesspiegel.de/berlin/teles-chef-sigram-schindler-1232995.html

Was die Professuren für Frauen betrifft, so haben interessierte Kreise das immer als einen Traumberuf dargestellt und offensichtlich vergessen, dass es auch mal Stress geben kann. Dasselbe gilt für die schon uralte Werbung für MINT-Fächer: Die Abiturientinnen mögen doch bitte MINT-Fächer studieren. Dort aber kann ...

#3.1.1 -

Björn Alpermann | Do., 12.03.2026 - 14:55

Antwort auf von Wolfgang Kühnel (nicht überprüft)

Sehr geehrter Herr Kühnel,



Ihre Argumentation halte ich nicht für stichhaltig, da sie im Wesentlichen aus „victim blaming“ besteht: Wer dem Stress einer Professur nicht gewachsen ist, sei eben von Natur aus zu wenig resilient oder habe schlicht den falschen Beruf gewählt. Die Mär der gemütlichen Stellen im Mittelbau, auf denen man sich „einkuscheln“ könne, wurde ja auch schon längst als Scheinargument entlarvt:

https://arbeitinderwissenschaft.substack.com/p/gemutlich-einkuscheln-ein-ichbinhanna

So wird nur der Leitsatz „Nur die Harten kommen in den Garten“ verfestigt statt an den beschriebenen Missständen etwas zu ändern.



Mit freundlichen Grüßen 

Björn Alpermann

#3.1.1.1 -

Berliner Uni | Mo., 16.03.2026 - 10:54

Antwort auf von Björn Alpermann (nicht überprüft)

 

Hallo,

ich kann dem verlinkten Artikel keine Argumente gegen "einkuscheln" entnehmen ausser (neben sehr viel Polemik):

a) dann müsste das Einkuscheln ja auch bei Profs eintreten und

b) es gäbe keine Unterschiede in den Arbeitszeiten zwischen  befristeten und unbefristeten MitarbeiterInnen

Zu a): Dem wird doch meistens auch gar nicht widersprochen. Auch viele ProfessorInnen werden im Laufe der Jahre nicht produktiver. Das ist aber kein stichhaltiges Argument in der Diskussion um Mittelbaustellen (sondern doch eher "whataboutism"). Man kann gerne fordern, auch Profs nicht mehr zu verbeamten.

Zu b): Dieses Argument ist schwierig, da Arbeitszeiten praktisch immer auf freiwilligen Selbstauskünften beruhen. ...

#3.1.2 -

D. Bediako | Do., 12.03.2026 - 21:36

Antwort auf von Wolfgang Kühnel (nicht überprüft)

Frau wundert sich, dass Bezeichnungen wie diese und die dazugehörigen Vorurteile im 21. Jahrhundert unwidersprochen stehen bleiben. Frauen in gehobenen wissenschaftsbezogenen Positionen brauchen in der Regel ebenso wenig oder viel psychologische Unterstüzung wie Männer. Was sie allerdings brauchen, um in solche Positionen aufzusteigen und sich dort zu halten, ist die Art von Entlastung, die Männer in der Regel haben: jemand, die:der die Sorgearbeit übernimmt oder sie wenigstens paritätisch teilt. Nicht umsonst hat die Nobelpreisträgerin Prof. Nüsslein-Volhard eine Auszeichnung für ihr Stipendienprogramm für junge Naturwissenschaftlerinnen erhalten, das explizit Mittel für Hilfe im Haushalt und zusätzliche Kinderbetreuung bereitstellt. Das ist ein Gamechanger, ...

#3.1.2.1 -

Wolfgang Kühnel | Fr., 13.03.2026 - 16:56

Antwort auf von D. Bediako (nicht überprüft)

"... aus der Luft gegriffene Behauptung, gestresste Professorinnen in MINT-Fächern wollten psychologische Unterstützung."

Dazu hatte ich nichts behauptet, ich meinte die falschen Darstellungen als "Traumberuf" speziell für Frauen mit konsequentem Verschweigen der Nachteile. Gewiss gibt es heute auch stress-resistente Professorinnen mit Multifunktionärs-Aufgaben und Ambitionen, Uni-Präsidentinnen zu werden. Aber das ganze Thema Stress wurde ja (vor dem obigen Artikel) auch immer gemieden. Mir fällt nur auf, dass immer mehr von der Notwendigkeit psychologischer Unterstützung für Student/innen die Rede ist. An jeder Hochschule gibt es die offenbar in organisierter Form. Da nimmt allgemein die Larmoyanz zu (was auch auf heutige Schüler zuzutreffen ...

#3.1.3 -

#IchBinTina | Fr., 13.03.2026 - 04:00

Antwort auf von Wolfgang Kühnel (nicht überprüft)

Fun Fact, Herr Kühnel: Schon die Tatsache, dass es die PROFESS-Studie gibt, bestätigt Ihre Befürchtung, dass "für Nebentätigkeiten immer Zeit ist", denn die wurde von einer großen Krankenkasse in Auftrag gegeben: https://www.tk.de/presse/themen/praevention/gesundheitsstudien/studie-gesunde-hochschule-2213500. 

Das ist dann aber etwas, was in die Verantwortung der Selbstverwaltung fällt. Ein Kommentar in einem Blog schreibt sich leicht, haben Sie auch das Rückgrat Ihre Kritik im Akademischen Senat zu thematisieren?

Es ist ein zweischneidiges Schwert: Auf der einen Seite ist Auftragsforschung tatsächlich sinnvoll, weil so realitätsnahe Fragen bearbeitet werden, die "der Elfenbeinturm" sonst wahrscheinlich nicht aufgreifen würde. Auf der anderen Seite mutet es aber befremdlich an, ...

#4 -

Michael Liebendörfer | Fr., 06.03.2026 - 22:00

Ich finde es erschreckend und nicht wissenschaftlich, wenn man Repräsentativität behauptet und auch auf eine präzise begründete Nachfrage hin nicht begründet, wie man zu diesem Schluss kommt. Das sich bei einer Studie mit freiwilliger Teilnahme durch eben diese Freiwilligkeit Verzerrungen ergeben, hat man schon oft erlebt. Daran ändert ein großes Sample nichts, solange es nicht an eine volle Ausschöpfung der angestrebten Gruppe grenzt.

#4.1 -

Y. Hofmann | Di., 10.03.2026 - 16:34

Antwort auf von Michael Liebendörfer (nicht überprüft)

Repräsentativität ergibt sich in unserem Fall aus dem probabilistischen Stichprobendesign und nicht aus einer vollständigen Teilnahme. Mit ‚repräsentativ‘ beziehen wir uns auf dieses Verfahren, bei dem Einheiten der Grundgesamtheit definierte Auswahlwahrscheinlichkeiten und Designgewichte hatten, um eine unverzerrte Schätzung zu ermöglichen. Mögliche Verzerrungen durch freiwillige Teilnahme wurden durch den Vergleich zentraler Stichprobenmerkmale mit verfügbaren Merkmalen der Grundgesamtheit geprüft.

#4.1.1 -

Michael Liebendörfer | Mo., 16.03.2026 - 12:14

Antwort auf von Y. Hofmann (nicht überprüft)

Vielen Dank für die Erläuterungen! 

Ich bin inhaltlich nicht völlig überzeugt. Selbst bei Ausschluss von Abweichungen zur Grundgesamtheit hinsichtlich gewisser Merkmale (welcher?!), ggf. erreicht durch Gewichtung, kann passieren, dass sich eben genau das erhobene Merkmal anders verhält. Aber die Bedenken sinken deutlich, wenn solche Abgleiche vorgenommen wurden. Schade, dass das im Interview nicht gleich gesagt wurde. Schön, dass Sie das nachgetragen haben. Vielen Dank.

#4.1.2 -

Ulrich Kortenkamp | Sa., 21.03.2026 - 13:00

Antwort auf von Y. Hofmann (nicht überprüft)

Mir erscheint aber die Stichprobe offensichtlich verzerrt: Wenn 8% der Professor:innen einen Burnout in den letzten 6 Monate hatten, dann könnte man daraus bei einer repräsentativen Stichprobe doch im Mittel auf einen Burnout alle 6 1/4 Berufsjahre schließen. Das halte ich wohl doch für sehr hoch, denn dann müssten ja eigentlich alle im Burnout enden. Oder?

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