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Deutsche Hochschulen: Internationale Spitze mit sechs Prozent internationalen Professoren?

Wer über die deutschen Hochschulen und den Grad ihrer Internationalisierung schreibt, hat zwei Geschichten zur Auswahl. Zwei Geschichten, die sich komplett widersprechen – und die dennoch beide wahr sind.

Die eine Geschichte haben in den vergangenen Woche die beiden für die Internationalisierung der deutschen Wissenschaft zuständigen Organisationen erzählt. Drei Spitzenwissenschaftlerinnen und drei Spitzenwissenschaftler aus dem Ausland habe man nach Deutschland geholt, verkündete die Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH) stolz, und zwar über ihre Alexander von Humboldt-Professur, dem „höchstdotierten Forschungspreis Deutschlands“. Ob aus Oxford, Israel oder vom MIT: Die Humboldt-Professur zeige, dass die deutschen Universitäten so attraktiv seien, dass herausragende Wissenschaftler Topadressen im Ausland den Rücken kehrten, um in Deutschland zu forschen, sagte AvH-Präsident Helmut Schwarz. Nur ein paar Tage später verschickte der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) eine Pressemitteilung mit der Schlagzeile „Deutsche Hochschulen sind international gut aufgestellt“ und verwies auf eine Studie des British Council. Deutschland zeichne sich noch vor den USA und Großbritannien durch ein „besonders ausgewogenes Ineinandergreifen von Internationalisierungsstrategien, Hochschulstruktur, Qualitätssicherung sowie Mobilitäts- und Fördermaßnahmen“ aus.

Soweit die eine Geschichte. Die andere ist schneller erzählt, es reichen ein paar Zahlen. Sechs Prozent: So hoch ist der Anteil ausländischer Professoren in ...

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Kommentare

#1 -

Bleistifterin | Mo., 09.05.2016 - 12:27
Hmm. Fehlt da nicht eine dritte Geschichte?

Wieviel Deutsche lehren denn im Ausland, gerade in den USA, und dort an den "guten" Schulen?

Sollte man deren Bildungsbiographien nicht einbeziehen? Denn zumeist erfolgt die wissenschaftliche " Grundausbildung" - alles vor dem Doktor oder gar Postdoc - immer noch in Deutschland, deutsche Uni und Programme ermöglichen Auslandsaufenthalte etc. Die Ausbildung hier kann also so schlecht nicht sein?

Oder zählt Gumbprecht nicht mehr als Deutscher Forscher, weil er in Stanford ist, Gaethgens, seit er das Getty leitet?

Damit müssten wir doch über die 10%-Hürde kommen?

#2 -

Jan-Martin Wiarda | Mo., 09.05.2016 - 12:42
Liebe Bleistifterin,

vielen Dank für den Kommentar. Ja, das ist eine dritte Geschichte, und alles, was Sie schreiben, stimmt. Aber das sind deutsche Forscher, die zur Internationalität der anderen (in diesem Fall der USA) beitragen. Ich sage auch nicht, dass die Ausbildung an den Hochschulen hierzulande schlecht sei. Im Gegenteil!! Ich sage nur: Sie könnte noch besser sein, wenn es noch mehr internationale Profs gäbe. :)

Beste Grüße,
Ihr Jan-Martin Wiarda

#3 -

Bleistifterin | Mo., 09.05.2016 - 13:16
Geschenkt.
Nach oben ist immer noch Luft.
Aber gerade in diesem ewigen, dämlichen, ungleichen Vergleichswettbewerb mit Harvard und Co führt die Ausblenden unserer "Outgoings" manchmal dazu, dass wir unser Licht unter den Scheffel stellen...

Unabhängig davon wird natürlich auch bei den "Incomings" häufig geschummelt, viele davon sind Deutsche " Rückkehrer"...
Es ist eben (auch) ein Sprachproblem.

#4 -

Klaus Diepold | Mo., 09.05.2016 - 13:48
vielleicht ist der Beamtenstatus einer/eines deutschen Professorin/Professors im internationalen Kontext etwas schwer vermittelbar? Wenn ich als Kandidatin/Kandidat nur die Zahlen anschaue (z.B. persönliches Einkommen) und mit den Zahlen z.B. in USA oder in der Schweiz vergleiche, dann komme ich schnell zu dem (vorschnellen) Schluss, dass es den Aufwand nicht lohnt sich als Ausländer/in in Deutschland zu bewerben. Auch die gesetzlich geregelte Obergrenze für das Einkommen von Professoren (zumindest in Bayern) wirkt auch nicht sehr motivierend.

#5 -

Josef König | Mo., 09.05.2016 - 20:30
Mh, lieber Jan-Martin, der Vergleich hinkt in folgender Hinsicht: Du berücksichtigst nicht die "Sprachbarriere Deutsch", wenn Du die USA oder GB als Vergleichsmaßstäbe nimmst. Englisch kann beinahe jeder Akademiker, es ist die lingua franca in der Welt der Wissenschaft. Aber als Hochschullehrer sollte man die Sprache des Gastlandes können, und Deutsch lernen kostet unter Umständen Jahre.

Interessant wäre also die Wissenschaftler, die die Max-Plack-Gesellschaft in ihre Institute beruft, mit in den Vergleich zu nehmen. Da die nicht lehren müssen, entfällt die Notwendigkeit, Deutsch unmittelbar zu können. Ich vermute - kann es aber nicht hier beweisen -, dass dann die "Internationalisierung" ...

#6 -

MA | Di., 10.05.2016 - 20:32
Auch wenn die mit grosser Fanfare jedes Jahr vorgestellter Handvoll Humboldt-Professoren ein anderes Bild suggerieren sollen, stellt sich im Allgemeinen die Frage: warum sollte ein im Ausland bereits etablierter Wissenschaftler sich auf das unwürdige Schauspiel, das ein "normales" deutsches Berufungsverfahren darstellt, einlassen? Ganz abgesehen davon, dass die Annahme einer Professur in Deutschland in der Regel eine wesentlich höhere Lehrverpflichtung, bei oft geringerem Gehalt, bedeuten würde. ...



Ein Kollege aus der Anglistik, Richard Utz, hat das vor ein paar Jahren auf "Inside Higher Ed" trefflich kommentiert:



https://www.insidehighered.com/advice/2013/09/16/essay-german-expats-seeking-academic-jobs-their-home-country



#7 -

MA | Di., 10.05.2016 - 20:38
P.S. Und hier meine persönliche Ergänzung dazu:



Although the essay reflects in many ways also my personal experiences, as a German expat and full professor in the US, with the hiring culture in German universities, the picture which it paints is, unfortunately, still too rosy.



The essay mentions that money by the Krupp Foundation, but travel funding from this foundation has been terminated. The rule, when applying in Germany, still is that you will have to pay for travel and lodging yourself. You may apply for some travel funds from the DAAD, but be prepared to do further paperwork even ...

#8 -

MA | Di., 10.05.2016 - 20:39
...



The essay states that the "German system of retirement and benefits for civil servants […] provides conditions often superior to the ones available to tenured professors at a major state institution in the U.S." Before you get too excited about benefits, keep in mind that the retirement system for civil servants in Germany does not know of pension accumulation. Which means that if you decide to leave your German professorship ever again before reaching retirement age, you will forfeit a substantial part of your pension, which will simply be replaced by payments from the state retirement system, equivalent to ...

#9 -

Jan-Martin Wiarda | Di., 10.05.2016 - 21:17
@Josef König: Lieber Josef, das ist schön argumentiert, aber die Welt ist nun einmal, wie sie ist. Zumal Frankreich auch auf mehr internationale Professoren kommt. Im Übrigen wird in den meisten international orientierten Forschergruppen zumindest in den Naturwissenschaften ohnehin auch in Deutschland längst Englisch gesprochen. Schön wäre es, wenn die Hochschulen noch flexibler wären bei der Wahl der Unterrichtssprache, dann wäre die Sprachbarriere geringer. Kurzum: Du beschreibst mit der Sprachbarriere einen Grund für die mangelnde Internationalisierung, gibst mir damit aber gleichzeitig Recht. Und an diesem Grund kann man zumindest teilweise etwas ändern, wenn man möchte.



Viele Grüße,

Jan-Martin

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