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Respekt ist mehr als ein Schulterklopfen

Vergangene Woche habe ich kritisch über die Schüler-Petition "#WirWerdenLaut" geschrieben, die Wechselunterricht und eine Aussetzung der Präsenzpflicht fordert. Ich erntete Entrüstung und Hass. Eine Reaktion.

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Artikelbild: Respekt ist mehr als ein Schulterklopfen

Überfordert: Viele Kinder sind mit dem Distanzunterricht nicht gut klargekommen. Foto: Pxhere .

JA, ICH HATTE mit Reaktionen gerechnet. Aber nicht mit so einem Sturm der Entrüstung. "Bestürzend" sei das, was ich da verfasst hätte, "Schwurbel, Wissenschaftsfeindlichkeit und Propaganda". Ich sei "unehrlich, ignorant und entbehrlich". "Wenn es den gut geschützten Erwachsenen nicht passt, wie sich Schüler:innen aus der Gruppe mit der höchsten Inzidenz selbst zu ihren Wünschen und Nöten in der Pandemie äußern", schrieb ein von mir geschätzter Professor für Klinische und Kinder- und Jugendpsychologie, dann "werden diese Kinder und Jugendlichen von eben diesen Erwachsenen medial diffamiert und entmündigt". Eine andere Professorin fragte: "Was ist los mit Ihnen?" Und das waren noch die freundlicheren Kommentare.

Ich hatte einen Kommentar über einen offenen Brief von mehr als 100 Schülersprechern geschrieben, dessen begleitende Petition inzwischen über 130.000 Unterschriften erreicht hat. Ich lobte die erfolgreiche Medienkampagne der Jugendlichen und einige ihrer Forderungen. Kritisierte andere. Und hinterfragte dabei zentrale Botschaften auf ihre Plausibilität und Mehrheitsfähigkeit hin.

Ja, es gab auch viel Zustimmung zu meinem Text. Doch die Heftigkeit, die persönlichen Angriffe haben mich getroffen. Warum? Weil sie so gar nicht dazu passen, wie ich selbst meine Arbeit als Journalist und Blogger verstehe. Ich möchte jemand sein, der es sich nicht zu einfach macht, der abwägt und mit Daten und Fakten argumentiert. Der auch mal zuspitzt, dabei aber nicht persönlich wird. Natürlich gelingt mir das nicht immer. Aber ist das diesmal wirklich so gründlich schiefgegangen?


Bevor ich auf diese Frage eingehe, möchte ich etwas tun, was ich sonst tunlichst vermeide, weil es nicht meinem Verständnis von Journalismus entspricht. Ich ...

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Kommentare

#1 -

Michael Becker… | Do., 10.02.2022 - 13:43
Lieber Herr Wiarda, danke für Ihren ersten Kommentar und diese Ergänzung. Man kann über Ihre Position inhaltlich streiten (ich teile siezu großen Teilen) und genau das beabsichtigt ja auch ein Offener Brief. In der Form und Ansprache Ihres Kommentars sehe ich überhaupt keinen Anlass zur Kritik. Es hat sixh intensiv und argumentativ mit dem Offenen Brief auseinander gesetzt.



Mir scheint, dass diese Pandemie mit ihren Belastungen für uns alle, mit den ständig neuen Entwicklungen und der damit verbundenen Unsicherheit, was denn nun richtig oder falsch ist, die Kommunikation zu belasten. Vor allem aber ist es die Desinformation und Hetze der ...

#3 -

Bleistifterin | Do., 10.02.2022 - 21:17
Lieber Herr Wiarda,

danke für diesen Beitrag, insbesondere die Transparenz darüber, wie Sie zu Ihrer Position kommen.

Das hat mir gefehlt, und vor allem die jetzt zurückgenommene Formulierung, dass der Offene Brief nicht von den Schülervertreter:innen selbst geschrieben worden sei, fand ich erschreckend.



Und natürlich ziehen die SuS Studien und Expert:innen heran, die ihre eigene Position unterstützen. Studien, die mMn viel zu häufig klein geredet werden. Fakt ist: auch symptomlos infizierte KuJ können andere, vulnerablere Personen infizieren, können selbst mittelfristig (PIMS) und langfristig LongCovid) schwer erkranken. Immunsystem, Gefäßschäden, Autoimmunreaktionen, Neurotrop -- bei unklaren Langzeitfolgen schadet es nicht, besonders vorsichtig zu ...

#4 -

Jan-Martin Wiarda | Fr., 11.02.2022 - 01:00
Liebe Bleistifterin,



danke für Ihren Kommentar. Zu den Punkten S3-Leitlinie (und was drinsteht und was nicht), Präsenzpflicht und Co und den Risiken einer Corona-Infektion für Kinder und Jugendliche habe ich mich ja schon geäußert. Ich freue mich ebenfalls, dass die Debatte sich insoweit geändert hat, dass die Rufe nach totalen Schulschließungen inzwischen die Ausnahme sind. Da gab es zum Glück einen gesellschaftlichen Lerneffekt.



Nur noch zu einem Punkt, der mir wirklich wichtig ist: Ich habe NICHT geschrieben, dass der Brief nicht von den Schülern geschrieben worden sei. Ich habe die Frage aufgeworfen, ob die Wissenschaftler in irgendeiner Form daran mitgewirkt ...

#5 -

Jana | Fr., 11.02.2022 - 10:28
Das größte Problem ist derzeit, dass die Differenzierung in der Beurteilung von Gefahren (welche, für wen, wie lösbar) und auch in der Kommunikation bei vielen sich zu dieser Thematik äußernden Menschen fehlt. Genau diese Differenzierung finde ich aber vor allem i. d. R. bei Herrn Wiarda im Gegensatz zu anderen Journalisten. Die beschriebenen Reaktionen auf den besagten Blogbeitrag von Herrn Wiarda beweisen mir eindrücklich meine Beobachtung.

#6 -

Udo Michallik | Fr., 11.02.2022 - 13:24
Lieber Herr Wiarda,



vielen Dank für Ihre engagierten Texte. Diese Zeit ist doch sehr geeignet zu überprüfen, wie es um unsere Streitkultur bestellt ist. Für mich ist es ja sooooo langweilig auf Menschen zu treffen, die mit mir einer Meinung sind. Wie will man da wachsen und sich entwickeln? Ja, auch noch mit Mitte 50 kann man lernen, wachsen und sich entwickeln. Insofern finde ich es gut, dass Sie sich vehement mit der Kritik auseinandersetzen.



Wir brauchen Perspektiven! Das ist das beste Mittel, um dem wachsenden Verdruss junger Menschen zu begegnen. Zu lange argumentieren wir uns mit Angst und Schutzargumenten ...

#7 -

Cona | Sa., 12.02.2022 - 13:27
"Wie können wir die Jugendlichen überzeugen, dass sie, solange sie und ihre Angehörigen gesund, geimpft oder sogar geboostert sind, keine ernstliche Sorge haben müssen im Falle einer Infektion"



Woher nehmen Sie die Ruhe, dass man sich keine ernstliche Sorge haben müsste?

Aus den Zahlen, dass es nur wenige trifft?

Aus der Zuversicht, dass es sie selbst nur weniger schwer treffen wird?



Was ist mit Menschen, die diese Zuversicht in ihre eigene Gesundheit oder die ihrer Freunde bzw. Familie nicht haben können auf Grund von Vorerkrankungen?



Ab wann ist es für mich erlaubt ernstlich besorgt zu sein? Wenn mein Vater Krebs ...

#8 -

eldo | Mi., 16.02.2022 - 10:48
Teil 1



Ich finde Ihre Berichterstattung sehr einseitig, auch wenn ich Ihre Position nach dem zweiten Bereicht zumindest um einiges mehr nachvollziehen kann.



Sie berichten von Ihren persönlichen Erfahrungen und ja, ich stimme Ihnen zu, dass es Schulen und Einzugsgebiete gibt, wo Distanzunterricht nicht gut funktioniert. Aber müssen deshalb alle Schüler Deutschlands auf dieselbe Weise lernen, als die, bei denen es nicht anders geht? Würde man bei neu gebauten Schulen vor Inbetriebnahme die Toiletten beschmieren, beschädigen und mit Uringeruch versetzen, nur weil das leider der Zustand von vielen Schultoiletten Deutschlands ist?



Und haben Sie schon mal an die Berufsschüler gedacht? ...

#9 -

eldo | Mi., 16.02.2022 - 10:49
Teil 2



> "Deshalb gibt es andere Forscher als die als Unterstützer aufgeführten Wissenschaftler [...] die die bestehenden Hygiene-Regeln im Unterricht für ausreichend halten."

Wobei einige davon, aber auch wenige Fakten vorlegen, um ihre Ausführungen zu untermauern. Sie verkünden einfach, dass es so ist.



> "Aber es gibt auch regelmäßige Gesprächsformate in vielen Bundesländern."

Die Bundesschülerkonferenz hat sich z.B. an der Ausarbeitung der S3-Leitlinie beteiligt (https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/027-076k_Praevention_und_Kontrolle_SARS-CoV-2-Uebertragung_in_Schulen_2021-11.pdf). Nur dass diese nicht umgesetzt wird. Was bringen dann die Gesprächsformate?



> "Wie miteinander den Weg finden in eine neue Normalität nach Omikron?"

Zuerst einmal sollten wir einen Weg finden mit Omikron, denn das ...

#10 -

Ingrid B. | Mi., 16.02.2022 - 12:25
Lieber Herr Wiadra,



danke für Ihre Artikel, diese beiden aber auch alle anderen. Ich schätze Ihre Art die Themen aus verschiedenen Richtungen zu betrachten und keine einachen Lösungen zu propagieren, sondern die ungelösten Fragestellungen herauszustellen sehr.



Ich wollte eigentlich keinen Kommentar schreiben, ich mag diese Schriftdiskussionen, in denen die Sätze nicht richtig gelesen, aus dem Zusammenhang gerissen zitiert werden und einige meinen sehr persönlich werden zu müssen, gar nicht. Aber diesmal wollte ich nicht zu der schweigenden Mehrheit gehören und ein Signal der Anerkennung Ihrer Arbeit und Unterstützung senden.



Viele Grüße,

Ihre Ingrid B.

#11 -

Monika S. | Mi., 16.02.2022 - 13:53
Lieber Herr Wiarda,



ich möchte mich anschließen. Vielen Dank für Ihre engagierten und überaus differenzierten Texte! Den Vorwurf der Einseitigkeit kann ich nicht teilen.



Im Gegenzug frage ich mich dieser Tage, wie es zu dieser absurd zugespitzten Debatte um Schulschließungen kommen kann, während ganz Deutschland, einschließlich des Kanzlers von Öffnungen spricht sowie deren Umsetzung bereits begonnen hat.



Sind es die inhärenten Mechanismen des Internets, die Extrempositionen immer stärker verbreiten als die gemäßigten Positionen der Mehrheit? Sind es auch die Mechanismen in der gesamten Medienlandschaft, die extremen Positionen mehr Raum gibt? Ist es vielleicht so, dass mit der Akademisierung auch eine ...

#12 -

Working Mum | Mi., 16.02.2022 - 17:29
Ich schließe mich meinen Vorrednerinnen an. Nicht nur bei den anderen Eltern in meinem Umkreis, auch bei befreundeten Lehrkräften kann ich die Vehemenz der Auseinandersetzung, wie sie hier geführt wird, nicht feststellen. Diese sind vielmehr froh um jeden Tag Präsenzunterricht, der realisiert wird. Nicht, weil wir alle unsere Kinder unbedingt betreut haben müssten, sondern weil wir gesehen haben, wie wichtig soziales Lernen und kindgerechte Aktivitäten in Gruppen von Gleichaltrigen für die Entwicklung von Kindern sind.

Dass Frau Prien mittlerweile ihren Twitteraccount gelöscht hat, zeigt, wie erbittert diese Debatte von manchen Seiten geführt wird. Das ist m.E. aber kein Abbild gesellschaftlicher ...

#13 -

David B. | Fr., 18.02.2022 - 16:32
Lieber Herr Wiarda,

ich habe einen Luxus, den Sie sich als Freiberufler und Journalist (leider?) nicht leisten können. Ich bin seit Mai 2020 nicht mehr in sozialen Medien unterwegs. Insofern erlebe ich viele Debatten in meinem persönlichen Umfeld ganz anders, als Sie das oben schildern. In den Klassen meiner Töchter (8, 10 - beide voll geimpft) gehen alle Kinder in die Klasse, niemand macht vom Aussetzen der Präsenzpflicht gebraucht (Berlin - Bez. Tempelhof-Schöneberg). Die Schule ist, wie man so schön sagt, in einem sehr "bürgerlichen" Stadtteil und auch vorsichtige Eltern haben durch die Impfmöglichkeit für ihre Kinder nun eine Neubewertung ...

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