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26 Ideen für faire DFG-Begutachtungen

Zusammengestellt von Antje Schwalb und 15 beteiligten Wissenschaftler*innen des Internationalen Graduiertenkollegs "TransTiP".

Vorschläge für die Auswahl von Gutachtenden

1. Gutachtende mit fachlicher Expertise in den Disziplinen der Beteiligten und in der Zusammenarbeit mit anderen Fachdisziplinen (Interdisziplinarität),

2. Gutachtende mit einschlägiger Expertise in internationaler Kooperation, um den zum Teil stark westlich geprägten Blickwinkel auf Kooperationen und Themen zu weiten,

3. Gutachtende mit einschlägiger Erfahrung mit dem Förderinstrument als zum Beispiel (Co-) Sprecher*in eines (Internationalen) GRKs oder anderer koordinierter Programme,

4. Einbeziehen von internationalen Gutachtenden, die unabhängig und fokussierter auf fachliche Inhalte sind,

5. Ausgewogenes Geschlechterverhältnis in der Begutachtungsgruppe und der Geschäftsstelle oder mindestens den Frauenanteil, den die Begutachtungsgruppe auf der Seite der Antragstellenden erwartet.

Vorschläge zur Vorbereitung der Begutachtung



6. Personelle Kontinuität in der Geschäftsstelle in der Verfahrensbetreuung gewährleisten.

7. Kohärenz in der Begutachtung von GRKs durch Leitlinien für die Geschäftsstelle sicherstellen.

8. Vorbereitung der Begutachtenden hinsichtlich der Förderprogramm-Spezifika durch zum Beispiel Erstellung einer vergleichenden Zusammenschau von Programmzielen und Programmunterschieden von zum Beispiel GRKs, Sonderforschungsbereichen und Forschungsgruppen; Briefing zu aktuellen Frauenanteilen, damit Entscheidungen auf Basis von Fakten gefällt werden können.

9. Sensibilisierung der Begutachtenden für Besonderheiten des Partnerlandes.

10. Briefing der Begutachtenden bezüglich wertschätzender Grundeinstellung, Würdigung ...

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Kommentare

#1 -

Marauder | Mi., 27.07.2022 - 11:49
Mindestens die Hälfte der Ideen ist längst Teil des Fördergeschäfts. Aspekte wie ein Losverfahren auf Basis von zu erreichenden Punkten würde das komplette Entscheidungsverfahren ad absurdum führen und wenn die Selbsteinschätzung als zutreffender gesehen wird als die Einschätzung durch Gutachtende, können wir das Verfahren ja gleich ganz abschaffen und ohne Qualitätsprüfung auslosen, wer Geld bekommt.

#2 -

Forschungsreferent | Mi., 27.07.2022 - 13:12
Ich sage: Alle förderwürdigen Vorhaben (alle, die man fördern würde, wenn genug Budget vorhanden wäre) in einen Lostopf und losen, bis das vorhandene Budget verbraucht ist! Alles andere ist der Versuch, die Zukunft vorauszusagen, was bekanntlich nicht möglich ist. Im Begutachungssystem ist eine Schein-Rationalität, die der Realität nicht gerecht wird. Die VolkswagenStiftung erprobt das schon in einer Förderlinie. Auch in anderen Ländern gibt es damit schon positive Erfahrungen. Denn nichts ist so fair und frei von Willkür wie das Los.

#3 -

J. Melanie | Mi., 27.07.2022 - 13:57
Ich sehe es ähnlich. Viele der Punkte sind bereits Standards. Andere (Gespräche zwischen Antragstellenden und Gutachtenden) würden die notwendige Distanz und prinzipiell gewünschte Anonymität im Verfahren aushebeln. Mit der Internationalisierung von Gutachterrunden wären grundsätzlich englische Projektanträge einzuführen - wie das in den Forschungscommunities, die teilweise schon hinsichtlich eigener englischsprachiger Projektpublikatioben wenig Anstrengungen erkennen lassen, aufgenommen würde, wäre interessant.

Insgesamt muss berücksichtigt werden, dass Gutachtende aus meiner Erfahrung stets pro bono tätig sind. Ein effizienter Umgang mit ihren Kapazitäten muss daher berücksichtigt werden. Grundsätzliche ist dem Förderer klar, dass Gutachter/innen kaum frei davon sein werden, ihre eigene Disziplin und subjektive Erfahrung ...

#4 -

Wissenschaftsm… | Mi., 27.07.2022 - 15:48
Ich finde den Vorschlag mit dem Losverfahren sehr spannend. Man muss das ja nicht überall einführen, aber es wäre m.E. überlegenswert, es als Alternative an manchen Stellen zu implementieren (würde auch das völlig überlastete Peer-Begutachtungssystem entlasten). Wäre super, wenn hier mal über die Erfahrungen der VolkswagenStiftung berichtet würde.

#5 -

Geisterfahrer | Mi., 27.07.2022 - 22:50
Als Gutachter würde ich erwarten, dass die Punkte 9, 14 und 18 im Antrag überzeugend geklärt sind. Viele weitere Vorschläge klingen nach einem sehr hohen Arbeitsaufwand, der sich wiederum mit dem letzten Vorschlag des Losens
beißt.

#6 -

Referent | Do., 28.07.2022 - 17:37
Danke für diese sehr konkreten Verbesserungsideen. Selten bekommt man ja solche Gutachten in die Hand. Vorschläge 1 und 17 würden die immer wieder angemahnte Interdisziplinarität stärken. Mehr Transparenz und Offenheit im Bewertungssystem täte allen gut. Die Entscheidungen wären nachvollziehbarer und somit die Verbesserungsmöglichkeiten sichtbarer.

#7 -

Nikolaus Bourdos | Fr., 29.07.2022 - 17:26
Hier will jemand ein ganz dickes Brett bohren. Ich sehe es auch so, dass etliche Vorschläge bereits Praxis sind.

Der Umgang mit interdisziplinären Projekten ist schon seit langem problematisch, was noch mehr auf die Geistes- und Sozialwissenschaften zutrifft. Hier sind schon Begutachungen von Forschungsverbünden krachend gescheitert, weil Gutachter keine harmonische Sicht auf die Dinge finden konnten. Mir fehlt die Fantasie, wie man das lösen könnte.

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