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Das wird eine Debatte über Werte

Als parlamentarischer Staatssekretär ist Thomas Sattelberger schon

nach wenigen Monaten zurückgetreten. Und wirkt seitdem wie befreit: Ein Interview über Prioritäten in Zeiten eines neuen Kalten Krieges, Vorwürfe von Verwertbarkeitsrhetorik, leidenschaftsarme Forschungsorganisationen und die Nöte des BMBF.

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Artikelbild: Das wird eine Debatte über Werte

Thomas Sattelberger. Foto: privat.

Herr Sattelberger, eigentlich hatten wir dieses Interview im Mai führen wollen über Ihre Agenda als parlamentarischer Staatssekretär. Damals sprühten Sie vor Tatendrang. Ein paar Tage später sind Sie dann für viele völlig überraschend zurückgetreten . Was ist da passiert?

Mich haben seit Februar zwei große gesundheitliche Herausforderungen in meinem allerengsten Umfeld extrem beaufschlagt, übrigens bis heute. Und dann haben politische Schmutzeleien das Fass zum Überlaufen gebracht .

Jetzt können Sie wieder frei von der Leber reden – was Sie immer am liebsten getan haben. Beschreiben Sie für uns, vor welchen Herausforderungen Sie die deutsche Wissenschaftspolitik sehen.

Wir haben es in Deutschland innerhalb weniger Jahre mit vier disruptiven Einschlägen zu tun. Zwei davon, die Klimakrise und die Digitalisierung, hätten uns bereits vor einem Jahrzehnt und früher beschäftigen müssen. Dazu kam die Corona-Pandemie, die den Modernisierungsrückstand vieler staatlicher Institutionen so richtig aufgezeigt hat und deren Bekämpfung zugleich enorme – dreistellige – Milliardensummen gekostet hat. Die uns nun wiederum bei eben jener Modernisierung fehlen. Und schließlich der russische Angriff auf die Ukraine, die darauf folgende, nötige und eilige Wende in der Verteidigungs- und Sicherheitspolitik: Weitere 100 Milliarden, die jetzt die Verteidigungsfähigkeit unseres Landes stärken sollen, die man lange hat schleifen lassen.

Bundeskanzler Olaf Scholz hat hierfür den Begriff "Zeitenwende" geprägt.

Ein Begriff, der auch die Situation für die Wissenschaft beschreibt. Die Gewissheiten, die wir zu haben glaubten, sind weg.

"Die vergleichende Literaturwissenschaft ist wichtig. Aber nicht im Kampf gegen Klimawandel oder Putin."

Zum Beispiel die Gewissheit der Ampel-Koalition, genug Geld zu haben, um die Transformationsprozesse in der Klimapolitik, in der Digitalisierung, aber auch in der Bildungs- und Innovationspolitik anzugehen? Das Paket, dass SPD, Grüne und FDP in ihrem Koalitionsvertrag versprochen hatten, war beeindruckend – und ist inzwischen unbezahlbar?

Die Hoffnung bei vielen lautete, dass sich nach Corona die Wirtschaft schnell erholt, dass die gestörten globalen Wertschöpfungsketten ...

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Kommentare

#1 -

Jan-Martin Wiarda | Di., 09.08.2022 - 21:04
Liebe Leserinnen und Leser,

aus gegebenem Anlass weise ich darauf hin, dass in den Kommentaren zu den Beiträgen in diesem Blog gern Kritik geübt werden kann, aber bitte ohne persönliche Herabwürdigung und im Falle von Tatsachenbehauptungen bitte grundsätzlich mit nachprüfbaren Belegen. Dies sollte sich von selbst verstehen – und umso mehr dann, wenn ein Kommentar ohne Klarnamen gepostet wird.

Besten Dank und beste Grüße
Ihr Jan-Martin Wiarda

#2 -

René Krempkow | Do., 11.08.2022 - 14:00
Vielen Dank für diesen Gastbeitrag, der etliche Anknüpfungspunkte für weitere Diskussionen böte und wo ich an so einigen Stellen nicht mit ihm übereinstimme. Ich möchte aber hier einen Aspekt herausgreifen, wo er m.E. zutrifft:

Zum Zerrbild, Wissenschaftler*innen würden "mit der Annahme von Drittmitteln aus der Industrie automatisch ihre Freiheit verkaufen", "obwohl es in den allerwenigsten Fällen zum Versuch von Übergriffigkeiten kommt", muss ich Herrn Sattelberger zustimmen.



Denn erstens steig der Anteil der Drittmittel aus der Wirtschaft in den letzten Jahren bei weitem nicht so stark wie der aus öffentlichen Mitteln, insbes. DFG und BMBF.



Zweitens geht mit der Dominanz bestimmter

#4 -

Liberaler | Fr., 19.08.2022 - 18:57
"Die Staatsgläubigkeit dieses Landes bei Bildung und Forschung ist unglaublich."

Völlig richtig. Aber warum hat ausgerechnet Sattelberger als StS dann versucht, mit DATI einen neuen staatlichen Behemoth in der Innovationsfinanzierung zu schaffen? Bei dem Mann klaffen leider Reden und Handeln auseinander, was ihn in den letzten Monaten viel Glaubwürdigkeit gekostet hat. Wo bleibt der liberale Kompaß?

#5 -

Nikolaus Bourdos | Sa., 20.08.2022 - 14:45
Herrn Sattelbergers Problem ist, dass er vom Wissenschaftssystem leider wenig versteht. Er nimmt häufig die Wirtschaft als Vorbild und meint, auf Unternehmen angewandte Transformations- oder andere Prozesse sowie Kennzahlen könne man ebenso auf Hochschulen und Forschungsorganisationen anwenden. Er trägt in völliger Unkenntnis der Organisationen und Ihrer Steuerungsstrukturen vor, das Personalverhältnis von Zentrale zu Instituten bei Max Planck und Fraunhofer sei ja viel schlechter als bei ThyssenKrupp und Fresenius.



Ferner müssten die Universitäten sich endlich mal wieder "aufraffen", wie schon Anfang des 19. Jahrhunderts ihre Beiträge zu Innovationsschüben zu leisten. Was dieses Wording an tiefer Unkenntnis über die Unis verrät, will ...

#6 -

DD | Mo., 22.08.2022 - 17:13
Herr Sattelberger bezieht sich auf Herrn Blomes Kolumne, wenn auch er sagt: "Die vergleichende Literaturwissenschaft ist wichtig. Aber nicht im Kampf gegen Klimawandel oder Putin."



Gleichzeitig beklagt Herr Sattelberger, dass Deutschland "erst recht nicht mental gut vorbereitet" ist auf die aktuellen Krisen und fordert "eine Debatte über Werte".



Wie widersprüchlich und kurzsichtig ist da das Abkanzeln der Geisteswissenschaften, die für ihn sinngemäß derzeit (aber wann dann?) keine Priorität haben?



Vielleicht würde es stattdessen nützen (Mehrwert!), wenn mehr Menschen literaturwissenschaftliche Studien lesen würden, wie Christa Karpenstein-Eßbachs "Orte der Grausamkeit. Die Neuen Kriege in der Literatur". Die Kriege unserer Zeit besser zu ...

#7 -

Laubeiter | Di., 06.09.2022 - 15:25
ich finde an diesem Interview die Fragen sehr gut. Die Antworten klingen für mich wie die eines Außenseiters, dem für ein Verständnis, wie Universitäten und AUFs Wissen schaffen, eigene Berufserfahrung oder genauere Anschauung fehlen. Managementtraining bei Daxkonzernen mag für Managerposten bei Daxkonzernen eine gute Qualifikation sein. Spiegel-Kolumnisten zu zitieren ohne Erklärung, was an dem Zitat gut sein soll, empfinde ich als Demagogie ohne Prinzipien.

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