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Ein Projekt dieser Größenordnung habe ich als Wissenschaftler noch nie begleitet

Der Bildungsforscher Kai Maaz koordiniert einen Verbund von über 100 Wissenschaftlern, die das milliardenschwere "Startchancen"-Programm für benachteiligte Schulen wissenschaftlich begleiten sollen. Eine Mammutaufgabe. Aber wie genau wollen sie das eigentlich bewerkstelligen? Ein Interview.

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Artikelbild: Ein Projekt dieser Größenordnung habe ich als Wissenschaftler noch nie begleitet

Kai Maaz ist Sozialpädagoge, Erziehungswissenschaftler und Bildungsforscher und Geschäftsführender Direktor des DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation.Foto: fotorismus für DIPF.

Herr Maaz, Sie koordinieren den Forschungsverbund für die wissenschaftliche Begleitung des Startchancen-Programms. Neben dem DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation sind zum Beispiel das Deutsche Zentrum für Lehrkräftebildung Mathematik (DZLM) dabei, das Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache, das Deutsche Jugendinstitut (DJI), und mehrere Hochschulen. Insgesamt 20 Institutionen mit einer dreistelligen Zahl an Wissenschaftlern, die in einer Vielzahl von Einzelprojekten ein Programm begleiten, an dem 4000 Schulen teilnehmen, und das über zehn Jahre. Wird Ihnen schwindlig bei diesen Dimensionen?

Ein Projekt dieser Größenordnung habe ich als Wissenschaftler noch nie begleitet, auch in der Geschichte des DIPF konnte ich kein vergleichbares Projekt finden. Doch schrecken mich die Dimensionen keineswegs, zumal meines Erachtens mit Superlativen in der Beschreibung des Startchancen-Programms ohnehin etwas locker umgegangen wird. Ja, es werden 4000 Startchancen-Schulen sein, und über zehn Jahre hinweg investieren Bund und Länder 20 Milliarden Euro. Aber nicht alles ist neues Geld, in vielen Länder gab es schon vorher umfangreiche Aktivitäten, um die Bildungsungleichheit in unseren Schulen zu bekämpfen. Diese Aktivitäten fließen jetzt in die "Startchancen" ein.

Ihre Botschaft an die Bildungspolitik lautet: Hängt das Programm in den öffentlichen Diskussionen tiefer?

Mein Ziel ist nicht, das Programm kleiner zu machen, sondern seine Komplexität zu verdeutlichen: diese Mischung aus neuen und bestehenden Initiativen; von Ländern, die schon vor dem Programm sehr aktiv waren, und anderen, die mit den "Startchancen" tatsächlich ein völlig neues Förderinstrument für ihre Schulen einführen. Das bedeutet zugleich, dass wir bei der wissenschaftlichen Begleitung auf die jeweiligen Gegebenheiten vor Ort schauen müssen. So, wie das Programm sich in seiner Förderlogik – der gezielten Konzentration auf eine so große Anzahl von bundesweiten Schulen – von allen bisherigen Bildungsprogrammen des Bundes unterscheidet, so muss auch die wissenschaftliche ...

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Kommentare

#1 -

Wolfgang Kühnel | Fr., 27.09.2024 - 12:51
"Das Startchancen-Programm wird keines unserer Probleme lösen. Dafür ist sein Volumen zu klein. Mit zwei Milliarden Euro pro Jahr werden wir die Risikogruppe in Deutschland nicht merklich reduzieren. Nach dem Programm haben wir ein paar renovierte Toiletten mehr und ein paar zusätzliche Sozialarbeiter in den Schulen. Aber das war es dann auch. Viel wichtiger als das Programm selbst ist seine symbolische Kraft als Indikator, dass die Politik beim Thema Chancengerechtigkeit noch nicht völlig aufgegeben hat."



Das sagte Herr Köller vor ein paar Tagen hier im Blog (Überschrift: Kein Land in Sicht?). Die Herren Maaz und Köller scheinen sich da nicht ...

#3 -

Hannes Müller | Mo., 30.09.2024 - 23:45
Ich entnehme diesem Interview zwei Botschaften: (a) Es wird ein gewaltiger Apparat an neuer Bildungsbürokratie aufgebaut, der sich mit weitreichenden Ambitionen verbindet. Angekündigt wird nichts Geringeres als ein neues Berufsfeld; und in die KiTas möchte man auch durchmarschieren, bevor man mit der Arbeit für die Schulen überhaupt begonnen hat. (b) Es wird bereits angekündigt, dass das alles keine große praktische Wirkung haben wird bzw. man nicht viel erwarten kann.



Wer heute schon ein föderales bzw. föderal-zentralistisches Bildungschaos beklagt, wird hier noch sein blaues Wunder erleben. Dass dabei eine Disziplin der empirischen Bildungsforschung am Ruder steht, die seit PISA 2000 mindestens ...

#4 -

Ilka Hoffmann | Fr., 04.10.2024 - 21:58
Ich habe großen Respekt vor diesem Programm. Bei "Schule macht stark" durfte ich als eine der LänderkoordinatorInnen auf Landes- und Bundesebene mitmachen und schon bei diesem kleineren Programm war das Zusammenspiel von Schulen, Schuladministration. Landesinstituten, Schulträgern und Wissenschaft eine riesige Herausforderung. Dennoch: Wir haben viele Erkenntnisse aus "Schulen macht stark", die uns helfen werden und wir haben einen längeren Zeitraum vor uns. Das Programm wird nicht alle Probleme lösen, aber Chancen der Weiterentwicklung der Startchancen-Schulen und darüber hinaus bieten. Ich bin optimistisch!

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