Pakt unter Druck
MPG-Präsident Patrick Cramer forderte kurz vor Weihnachten eine halbe Milliarde zusätzlich für Max Planck und legte so Bruchlinien in der gegenwärtigen Forschungsfinanzierung offen. Inmitten von Sparpolitik und Hightech-Agenda steht der seit 2006 stets verlängerte Pakt für Forschung und Innovation am Scheideweg.

Selbstbewusste Forderung: MPG-Präsident Patrick Cramer hält seine "Prelude"-Rede in Berlin. Screenshot aus der Aufzeichnung der Veranstaltung .
EINIGE ZUHÖRER sprachen danach von einem Tritt gegen die Schienbeine von Cramers Kollegen. Andere von genau der Entschlossenheit, die jetzt nötig sei.
Es war kurz vor Weihnachten im Festsaal Kreuzberg, der Zuschauerraum abgedunkelt, die Bühne angestrahlt wie bei einem Rockkonzert. Die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) hatte zu ihrem "Prelude 2026" genannten vorgezogenen Berliner Neujahrsempfang eingeladen.
Vorn stand MPG-Präsident Patrick Cramer und warnte, laut Nature Index sei die MPG die letzte verbliebene europäische Forschungsorganisation unter den Top Ten weltweit – "neben Harvard und acht chinesischen Einrichtungen, die bereits jetzt mit enormen Wachstumsraten selbst Stanford und MIT verdrängen".
Und er fuhr fort: "Wenn wir weiterhin in der Champions League der Wissenschaft spielen wollen, wenn wir Ideen, Innovationen und Wertschöpfung in Europa halten und Zukunft gestalten wollen, dann müssen wir uns nochmals neu entscheiden – für die Wissenschaft, für Max Planck und für Investitionen." Seine Forderung sei daher einfach: "Die Max-Planck-Gesellschaft benötigt pro Jahr zusätzlich eine halbe Milliarde Euro als strategische Zukunftsinvestition in einer Zeit historischer Umbrüche."
Ein Vorstoß mit Sprengkraft
Was Cramers Vorstoß so außerordentlich machte: Er stellte damit offen eine Finanzierungslogik infrage, die seit zwei Jahrzehnten als politisch gesetzt gilt. Der Pakt für Forschung und Innovation, kurz PFI, garantiert den großen außeruniversitären Forschungsorganisationen Max Planck, Helmholtz, Leibniz, Fraunhofer und der DFG jährlich gleich hohe Budgetsteigerungen – unabhängig von individueller Performance. Priorisierung ist in diesem System nicht vorgesehen.
Und hier kam der Tritt vors Schienbein ins Spiel. Denn direkt vor der Bühne standen, zuvor noch freundlich von Cramer begrüßt, etliche Chefs und Repräsentanten eben jener Organisationen, mit denen ...
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Kommentare
#1 - Ausgründungen
... seit vielen Jahren sehr mickrige Kennzahlen. Der Vergleich untereinander verharmlost dies leider immer noch. Denn ein Vergleich mit einzelnen Universitäten und Hochschulen, die nur ein Bruchteil dieses Budgets zur Verfügung haben, lässt dies alles lachhaft aussehen. Auch Fraunhofer liefert für den Bereich der angewandten Forschung deutlich zu wenig. Da leisten viele HAWs mit deren mickrigen Budgets mehr.
#2 - Max Planck und der wirtschaftliche/gesellschaftliche Mehrwert
die offene Flanke der MPG ist eher, was die wissenschaftliche Exzellenz der MPIs der deutschen/europäischen Gesellschaft und Wirtschaft bringt. Der "Transfer" der wissenschaftlichen Erkenntnisse in innovative Produkte oder anderwärtigen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Mehrwert ist minimal. Zeigen auch die Zahlen hinsichtlich Patente/Lizenzen/Ausgründungen.
#3 - verstaubtes Harnack-Prinzip
Die MPG ist mit ihrem Harnack-Prinzip einfach nicht mehr zeitgemäß. Sie müsste sich von grundauf erneuern und ihre Direktor*innen dürften sich nicht wie König*innen oder Alleinherscher*innen verhalten. In den Medien waren in den letzten Jahren zu viele Fälle von Ausbeutung, Machtmissbrauch und Mobbing. Typisches alpha-Tier-Verhalten, und genauso tritt hier auch Herr Cramer auf.
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