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Die Mediziner müssen springen

Seit anderthalb Jahrzehnten sperrt sich die Universitätsmedizin gegen eine tiefgreifende Reform der Promotion – und damit gegen das Votum fast aller Experten. Schluss damit.

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Artikelbild: Die Mediziner müssen springen

WENN ES EINEN Titel gibt, der einer ganzen Berufsgruppe ihre Aura verleiht, dann ist das der „Dr. med.“ Kommt der „Herr Doktor“, stehen vielerorts immer noch die Patienten stramm. Zwei Drittel der angehenden Ärzte promovieren, fast jede vierte Promotion geht aufs Konto der Mediziner.

Wenn es einen Doktortitel gibt, der die Sinnkrise des deutschen Promotionswesens in einer geradezu absurden Überspitzung in sich trägt, dann ist allerdings auch das der „Dr. med.“. Häufig ist die dazu gehörige Dissertationsschrift nur ein paar Dutzend Seiten lang, zum großen Teil entstanden in wenigen Monaten parallel zum Studium. Allzu viele Arbeiten kratzen folglich wissenschaftlich an der Oberfläche, bestenfalls. Umso produktiver erweisen sich die Mediziner in anderer Hinsicht: Von insgesamt 183 auf der Plattform VroniPlag Wiki dokumentierten Plagiatsfällen bei Dissertationen und Habilitationen stammen 100 aus der Medizin oder Zahnmedizin. >>


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Kommentare

#1 -

McFischer | Mo., 31.07.2017 - 14:25
Ein altbekanntes Thema... aber aus meiner (Lebens-)Erfahrung absolut notwendig. Die Promotionen meiner Bekannten aus der Medizin sind lächerlich gegenüber denen z.B. aus den Sozial- und Geisteswissenschaften (meinem eigenen Bereich). Dauer, Umfang, Methodenkompetenz, wissenschaftlicher Anspruch usw. - da liegen Welten dazwischen. Für letztere Gruppe ist das Dissertationsthema oft auch der Einstieg in eine akademische Karriere in einem bestimmten Feld, d.h. es werden daraus Artikel, Konferenzvorträge, man führt Lehrveranstaltungen in dem Bereich durch etc. Man macht sich also einen Namen in der akademischen Welt und entsprechend benötigt man auch ein akademisches Niveau in der Promotion. Bei Medizinern ist es immer eher eine ...

#2 -

Jakob Wassink | Di., 01.08.2017 - 00:31
Was spricht eigentlich dagegen, den Dr. med als Berufsdoktorat anzusehen? Diejenigen, die tatsächlich forschen wollen können auch als Mediziner einen Dr. rer. nat., Dr. rer. medic oder - was an einigen Hochschulen bereits jetzt schon möglich ist - sogar einen PhD erwerben. Diese Grade gilt es dann qualitativ zu schützen!

#3 -

tutnichtszursache | Di., 01.08.2017 - 16:24
@Jakob Wassink: Ihr Vorschlag erscheint mir sinnvoll. Zur konsequenten Umsetzung müsste dann der "Dr. med." im Deutschen Qualifikationsrahmen auf Stufe 7 - wie Master, Staatsexamen etc. - einsortiert werden, und nur die "richtige" medizinische Forschungspromotion mit 3-4 Jahren Dauer käme wie alle anderen Promotionen auf Stufe 8.

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