Das sind die ersten drei Max Planck Schools

Forschungsministerin Wanka, Max-Planck-Chef Stratmann und HRK-Präsident Hippler stellen einträchtig die Gewinneranträge vor: 21 Universitäten und 31 Forschungsinstitute sind an ihnen beteiligt.

UND DIE GEWINNER sind... die Max Planck Schools of Cognition, of Photonics und – drittens – of Physics, Chemistry and Construction of Life. Wem die Titel der Anträge jetzt auf Anhieb nichts sagen, dem sei gesagt: Macht nichts. Auch lässt sich nicht ohne Weiteres zuordnen, welche Wissenschaftsstandorte (Berlin, München, Göttingen, Heidelberg...) denn jetzt besonders erfolgreich waren. 

 

Entscheidend ist etwas Anderes: Hinter den drei Schools steht eine lange Liste beteiligter Wissenschaftler von insgesamt 21 Universitäten und 31 außeruniversitären Forschungseinrichtungen überall in Deutschland. Und genau das war die Idee der Schools, die Bundesforschungsministern Johanna Wanka (CDU) heute als "bestechend einfach" bezeichnete: ein Netzwerk herausragender Wissenschaftler schaffen, das sich über ganz Deutschland zieht. "Wir müssen versuchen, die Exzellenz, die wir haben, deutlich zu machen", sagte Wanka heute. Max-Planck-Chef Martin Stratmann sprach von "verteilter Exzellenz", die auf besondere Weise gebündelt werden müsse. 

 

Wenn man so möchte, ist die Idee der Schools die lange vermisste Ergänzung der Exzellenzinitiative, die einst aus der Idee entstand, ein deutsches "Harvard" zu gründen, dann jedoch auf das realistische Ziel zurechtkonzipiert wurde, Deutschlands stärkste Forschungsuniversitäten weiter zu stärken. Eben genau weil die Exzellenzdichte an keinem Ort in Deutschland vergleichbar ist mit der amerikanischer Spitzenuniversitäten. Und genau an der Stelle kam Stratmanns Idee ins Spiel. Wanka hatte erstmals im März hier im Blog angekündigt, sie – abgewandelt – umsetzen zu wollen. Die Debatte, die dann folgte, habe ich vor wenigen Wochen in einem Beitrag beschrieben. 

 

Die Zahl der beteiligten Wissenschaftler in den Schools, so genannter "Fellows",  schwankt derzeit jeweils zwischen 30 und 40 pro Netzwerk. Wie genau die Formate der Schools aussehen werden, ist zum Teil noch offen. Jedenfalls werde keine School der anderen gleichen, sagte Horst Hippler, Präsident der Hochschulrektorenkonferenz: In der Wissenschaft müsse die Form immer der Funktion folgen. Martin Stratmann betonte, die Schools würden nicht rein virtuell sein, es werde Knotenpunkte an den Universitäten geben. Man wolle "eine wuchtige Sichtbarkeit" erreichen. Die Auswahl der potenziellen Studierenden und Promovierenden werde in einem mehrstufigen Verfahren inklusive Bewerbungsgespräche erfolgen. 

 

Hippler sagte, die Befürchtungen der Universitäten, die Außeruniversitären wollten ans Promotionsrecht, seien entkräftet worden. Er sei "sehr glücklich und zufrieden" – auch, weil die drei Schools sehr unterschiedliche Fächer abdeckten. Geisteswissenschaftler sind in den drei siegreichen Netzwerken allerdings bislang nur in geringer Anzahl vertreten. Max-Planck-Präsident Stratmann betonte, die Netzwerke der Schools seien für weitere Wissenschaftler aller Disziplinen offen und würden sich sicherlich noch weiterentwickeln.

 

Und wieviel Max Planck steckt noch in den Schools, die auf Wunsch von Wanka für alle außeruniversitären Forschungsorganisationen geöffnet wurden? Keine Frage: Ziemlich viel. Jeweils zwei "Ansprechpersonen" pro School werden in den Pressemitteilungen erwähnt, vier von den insgesamt sechs stammen von Max Planck. Einerseits. Andererseits sind an allen Schools auch Wissenschaftler der anderen Außeruniversitären beteiligt, auffallend viele davon gehören zur Leibniz-Gemeinschaft und zu Fraunhofer. 

 

Die SPD-Hochschulexpertin Simone Raatz kritisierte die Initiative. Sie sehe nicht, dass vereinzelte Prestigeprojekte wie die neuen Max Planck Schools dem wissenschaftlichen Nachwuchs und exzellenter Forschung dienen werden", sagt Ratz. "Wider alle Vernunft" sei Wanka den "Einflüsterungen von Herrn Stratmann" gefolgt – mit dem Ergebnis, dass die Forschungslandschaft weiter zerfasere und die Bedeutung der Hochschulen als "Kern des Wissenschaftssystems" geschmälert werde.

 

Der stellvertretende Vorsitzende der CDU-/CSU-Bundestagsfraktion, Michael Kretschmer, sprach dagegen von einem "entscheidenden Schritt zur Weiterentwicklung des deutschen Wissenschaftssystems". Die Schools seien ein wichtiger Beitrag, "um zukünftig mit Cambridge, Harvard oder Oxford um die weltweit besten Forscherinnen und Forscher auf Augenhöhe zu konkurrieren.“

 

Die größte Enttäuschung der Initiative war übrigens schon im Vorfeld bekannt: Nur acht Anträge wurden gestellt. Das ist zu mager und liegt in dem ungewöhnlichen Antrags- und Auswahlverfahren begründet. Das sei ja nur die Pilotphase, haben Max Planck und Forschungsministerium immer wieder betont. Und die Universitäten haben schon ultimativ gefordert: Das nächste Mal muss es anders laufen. Ist auch schon vereinbart. Die Evaluierung der Pilotphase, hieß es heute, werde darüber Auskunft geben, ob das Programm verstetigt werden soll. "Wenn man einen guten Lauf hat, dann ist das klar, dann geht das weiter", sagte Ministerin Wanka. Insofern bleibt heute eine am Ende sehr positive Bilanz.

 

Wer wissen möchte, welche School genau was machen wird, findet nähere Informationen auf der Website des Bundesforschungsministeriums, und zwar hier (in der rechten Randspalte). 

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Kommentare: 3
  • #1

    Laubeiter (Mittwoch, 06 September 2017 11:20)

    Lieber Herr Wiarda,
    ich verstehe nicht ganz, warum Sie in den Max Planck Schools ein Element sehen, dass die ExIni/ExStra komplettiert. Weil es Deutschland mit der ExIni schon gelungen ist, postdocs und faculty aus dem Ausland zu werben, aber keine graduate students?

    Mich beschäftigt bei dieser Entwicklung, wie Begriffe eingeführt und verwendet werden. Die Aufgabe der Max Planck Schools soll es sein, 22 bis 25 Nerds zum Promovieren nach Deutschland zu holen, das sagte der Präsident der Max Planck Gesellschaft. Liest man den Begriff School ohne den Zusatz Graduate School, so kann er auch was Anderes bedeuten als Doktoranden-Ausbildung, so dass es mehrdeutig wird. So klingt auch die Pressemitteilung der CDU nicht mehr nach Doktoranden-Ausbildung, stattdessen hebt sie auf die große Gruppe der Nachwuchsforscher ab, als seien Studenten, die einen Bachelor haben und zum Teil auch einen Master und zum Promovieren nach Deutschland kommen, die wichtigste Säule der Spitzenforschung.

    Mich würde interessieren, wie das Marketing der Schools im Ausland geplant ist, dazu finde ich nichts.

    Eine Kleinigkeit: nicht Simone Ratz, sondern Simone Raatz ist der Name der Spd MdB.

  • #2

    Laubeiter (Mittwoch, 06 September 2017 11:22)

    Vertippt: 22-25 jährige Nerds sollen geholt werden

  • #3

    Jan-Martin Wiarda (Mittwoch, 06 September 2017 13:50)

    Liebe/r Laubeiter,

    vielen Dank für den Hinweis auf das fehlende "a" bei Frau Raatz (gerade hat meine Autokorrektur schon wieder das zweite "a" rauslöschen wollen). Und eine Entschuldigung an Frau Raatz!

    Zur Frage zum Verhältnis von MPS und Exzellenzinitiative/-strategie: der Nachwuchsaspekt, den Sie ansprechen, ist für mich der eine. Der andere: Dass die MPS viel mehr auf die verteilte Exzellenz an den unterschiedlichen setzen, während die Exzellenzinitiative ja doch stärker auf Institutionen fokussiert war.

    Viele Grüße
    Ihr J-M Wiarda