Anschlusszusage light
Vergangenen Herbst strich Berlins Wissenschaftssenatorin ein bundesweit beachtetes Reformprojekt für mehr Dauerstellen in der Wissenschaft. Jetzt legt ihre Verwaltung Alternativpläne vor – mit neuen Stellenkategorien und altbekannten Unsicherheiten.

Screenshot aus dem BMBF-Erklärvideo zum WissZeitVG von 2021.
DIE AUFREGUNG WAR GROSS, als die Verwaltung von Wissenschaftssenatorin Ina Czyborra (SPD) fast nebenbei die Anschlusszusage kassierte, jene seit Jahren angekündigte, bundesweit beachtete Berliner Großreform.
Vor einer Sitzung des "Forums Gute Arbeit an den Hochschulen" im Oktober 2024 war das, als Czyborras zuständiger Staatssekretär Henry Marx per Schreiben ein "Konzept für moderne und zukunftsfähige Karrierewege" präsentierte – in dem aber von der Anschlusszusage keine Rede mehr war. Es folgten Verwirrung, Erklärungsversuche der Senatsverwaltung und das Eingeständnis der Senatorin: "Wir hätten sensibler im Vorfeld überlegen sollen, wie wir das den Hochschulen mitteilen."
Um den Wirbel zu verstehen, hilft ein Blick in die Statistik. Bundesweit sind gut 90 Prozent der Wissenschaftlerstellen unterhalb der Professur befristet. Die Arbeit auf Zeitstellen ist an Deutschlands Hochschulen der Normalfall – in den meisten Fällen, bis man es irgendwann auf eine Professur schafft oder die Wissenschaft verlassen muss.
Die Logik dahinter gibt das Wissenschaftszeitvertragsgesetz (WissZeitVG) vor, ein Bundesgesetz, das die Wissenschaft vom allgemeinen Arbeitsrecht ausnimmt und es den Hochschulen erlaubt, Wissenschaftler in der Regel bis zu zwölf Jahre ohne Dauerstelle zu beschäftigen mit der Begründung, sie befänden ...
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Kommentare
#1 - Warum nicht mehr anwendbare Forschung zur Querfinanzierung?
Wahrscheinlich mache ich mich damit unbeliebt, ich spreche es aber trotzdem mal an.
Dieses ewige gezerre um die Anschlusszusagen geht doch im Kern nur um eines: Man braucht zwar viele WiMis und PostDocs, die Forschungsarbeit machen, aber man kann prinzipiell diese Stellen dauerhaft nicht bezahlen. Deswegen denkt man sich das Argument aus, dass immer neue Menschen auf die Stellen gesetzt werden müssen, weil es sonst keine neuen Ideen gäbe oder weil sich ja dann viel weniger Leute sich qualifizieren könnten... Aber das ist natürlich BS. Also für die Doktorand*innen mag das noch gelten - man kann ja aus vielerlei Gründen ...
#2 - WissZeitVG braucht neue Denkansätze
In 2026 soll das WissZeitVG Novellierung werden, ohne dass auch nur ansatzweise absehbar wäre, dass die völlig konträren Modelle zu sinnvollen Kompromissen sythetisiert werden könnten. Da sind völlig neue Denkanstöße wie öffentliche Auftragsforschungsinstitute ein erfrischender Ansatz out-of-the-box um die festgefahren Fronten aufzubrechen.
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