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"I wish we had something like Helmholtz"

Warum der neue Helmholtz-Präsident Deutschlands Forschungsstrukturen für international beneidenswert hält – und trotzdem fragt, ob der Kurs noch stimmt. Martin Keller über die Freiheit der Forschung, Impact-Erwartungen der Politik und die Frage, wie Helmholtz Deutschlands Innovationsfähigkeit stärken kann.
Portraitfoto Martin Keller

Von 2015 bis 2025 war Martin Keller Direktor des National Renewable Energy Laboratory (NREL) im US-Bundesstaat Colorado. Zugleich war er Präsident der Alliance for Sustainable Energy , einem Unternehmen, das das NREL für das US-Energieministerium betreibt. Seit November 2025 ist er Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft. Foto: Phil Dera.

Herr Keller, für Ihre Aufgabe als Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft hat man Sie nach fast 30 Jahren aus den USA zurückgeholt. Was wollen Sie anders machen als Ihr Vorgänger Otmar D. Wiestler?

Ich weiß gar nicht, ob ich das so auf den Vorgänger beziehen würde. Wenn man neu in so eine Position kommt, ist das Wichtigste erst mal zu verstehen, womit man unterwegs ist. Helmholtz ist kein Jetski. Helmholtz ist ein ziemlich großer Tanker. Einen Tanker kann man drehen – aber das dauert.

Muss denn der Tanker Helmholtz gedreht werden?

Umdrehen sicherlich nicht. Und inwieweit Kurskorrekturen nötig sind, das versuche ich gerade herauszufinden. Die Welt um uns herum verändert sich gerade massiv. Im Osten Europas sitzt Putin, der Ukraine-Konflikt wird uns noch lange beschäftigen. Im Westen, in den USA, wissen wir nicht genau, wo die Entwicklung hingeht. Gleichzeitig wächst die internationale Konkurrenz, gerade in der Wissenschaft, China holt immer weiter auf, die Durchbrüche in der Künstlichen Intelligenz beschleunigen alles, das Verlangen besonders der Tech-Giganten nach immer mehr Daten ist gewaltig. Und inmitten von alldem Deutschland: Geld wächst nicht auf Bäumen, also müssen wir priorisieren, mehr mit weniger machen. All das führt zwangsläufig zu der Frage: Sind wir noch auf dem richtigen Kurs? Wenn man sich diese Frage nicht stellt, wenn ich mir diese Frage nicht stellen würde, täte ich meinen Job nicht richtig.

Ihre Aufgabe ist das Hinterfragen?

Jeder Wechsel an der Spitze einer Organisation ist so ein Moment. Es gibt dazu spannende Studien aus der Industrie: Die ersten sechs bis neun Monate muss man sich orientieren, nach dem ...

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Kommentare

#1 -

Wolfgang Kühnel | Mo., 19.01.2026 - 10:56

"Die Wissenschaftler in vielen anderen Ländern sind total neidisch auf ihre deutschen Kollegen."

Ach so! Aber hatte uns nicht #IchBinHanna# vor kurzem eingeredet, nirgends sei es für die Beschäftigten in der Wissenschaft so schlecht wie in Deutschland, und im Ausland sei es meist besser? War nicht die Rede von prekären Beschäftigungsverhältnissen?

 

 

#1.1 -

Bernd Rupp | Di., 20.01.2026 - 15:53

Antwort auf von Wolfgang Kühnel (nicht überprüft)

Entschuldigung, doch der Beitrag befasste sich ausdrücklich mit der Organisation und langfristigen Planung des Wissenschaftssystems, insbesondere mit Blick auf die Helmholtz-Gemeinschaft. Die individuellen Arbeitsverhältnisse einzelner Wissenschaftler:innen waren nicht Gegenstand der Argumentation und stehen dazu nur in einem mittelbaren Zusammenhang.

Unbestritten besteht bei den Beschäftigungsbedingungen erheblicher Reformbedarf. Ohne eine verlässliche, langfristig angelegte Struktur und Steuerung wissenschaftlicher Organisationen lassen sich jedoch weder nachhaltige Karrierewege noch stabile Finanzierungsmodelle für einzelne Wissenschaftler:innen entwickeln.

Es liegt daher kein Widerspruch darin, dass Deutschland über leistungsfähige und international wettbewerbsfähige Wissenschaftsorganisationen verfügt, während die individuelle Karriere- und Finanzierungssituation vieler Wissenschaftler:innen zugleich hoch problematisch ist. Diese Sachverhalte sind auf ...

#1.1.1 -

Wolfgang Kühnel | Mi., 21.01.2026 - 13:47

Antwort auf von Bernd Rupp (nicht überprüft)

Ich glaube  auch nicht, dass es einen echten Widerspruch gibt zwischen dem, was Sie und ich geschrieben haben. Es ist alles eine Frage der Perspektive und der jeweiligen Interessen.

"Ich fange mal mit dem an, was andere Lab-Direktoren gesagt haben, mit denen ich befreundet bin."  (sagt Herr Keller)

Das ist ganz klar sozusagen die "Bonzen-Perspektive". Wenn Sie den Präsidenten einer wichtigen US-Universität, der vielleicht ein Millionengehalt bezieht, fragen, ob er mit einem deutschen Rektoren-Kollegen tauschen möchte, wird der natürlich abwinken. Aber die Direktoren der deutschen außeruniversitäten Forschungseinrichtungen haben es vermutlich tatsächlich besser als ihre US-Kollegen. Sie sind kleine Könige in ...

Mitglied seit

1 Jahr 5 Monate

#1.1.1.1 -

jmwiarda Do., 22.01.2026 - 09:38

Antwort auf von Wolfgang Kühnel (nicht überprüft)

Lieber Herr Kühnel,

das Thema wurde hier im Blog bereits thematisiert, zum Beispiel hier:
https://www.jmwiarda.de/2021/08/11/machen-es-die-ausseruniversitaeren-besser

Beste Grüße

Ihr Jan-Martin Wiarda

#1.1.1.1.2 -

Wolfgang Kühnel | Do., 22.01.2026 - 14:10

Antwort auf von jmwiarda

Vielen Dank, aber ältere Beiträge sind hier im Blog in der Flut aller schwer zu finden, ich hatte das nicht gesehen. Und ich meinte natürlich auch die Aktivisten von #IchBinHanna# selbst. Der verlinkte Beitrag bietet auch vorwiegend Prozentzahlen und nicht annähernd die Grundsatzkritik, die hier schon (auch pauschal) an den Universitäten vorgetragen wurde (undemokratisch, veraltete Strukturen, hierarchisch, rassistisch, queerfeindlich, zu industriefreundlich etc.). Die Standpunkte der Rektoren und Präsidenten dürften wohl eher so ausfallen wie die der Direktoren außeruniversitärer Forschungseinrichtungen, also nicht so negativ. Hat man je MPG-, Fraunhofer- oder Helmholtz-Direktoren speziell für "Diversity" gesehen (außer beim MMG in Göttingen)? Darüber ...

Mitglied seit

1 Jahr 5 Monate

#1.1.1.1.2.1 -

jmwiarda Do., 22.01.2026 - 15:17

Antwort auf von Wolfgang Kühnel (nicht überprüft)

Lieber Herr Kühnel,

es gibt eine eigene Suchfunktion hier im Blog, die Sie gern nutzen können. Sie ist recht unkompliziert. Im Übrigen ist Ihre Kritik verzerrend, was die Vielfalt der Standpunkte hier im Blog angeht. Sie ist freilich so weit weg von der Realität, dass ich hierauf nicht weiter eingehen werde.

Beste Grüße

Ihr Jan-Martin Wiarda

#2 -

Holger Hanselka | Mi., 21.01.2026 - 11:05

Lieber Martin Keller, herzlichen Glückwunsch zu diesem sehr lesenswerten Interview – und Glückwunsch auch an die Helmholtz-Gemeinschaft, denn Martin Keller als neuer Helmholtz-Präsident ist ein Gewinn für das gesamte deutsche Wissenschaftssystem.

Martin Keller und ich haben die im Interview angesprochene Arbeitsteilung, insbesondere mit Blick auf die Auftragsforschung, in intensiven, persönlichen Gesprächen gemeinsam diskutiert. Dabei wurde deutlich, wie wichtig Klarheit und ein realistischer Blick auf die jeweiligen Stärken der großen außeruniversitären Forschungsorganisationen in unserem ausdifferenzierten Wissenschaftssystem sind.

Richtig ist auch: Eine im Rahmen der Beschreibung des deutschen Innovationssystems mal von mir veröffentlichte Beschreibung der Profile der anderen außeruniversitären Forschungseinrichtungen habe ich ...

#3 -

Eicke Weber | Mi., 21.01.2026 - 23:27

Willkommen, Martin Keller, Du kommst gerade zur rechten Zeit zurück nach Deutschland, und ich freue mich darauf wie Du zusammen mit Holger Hanselka, Präsident der Fraunhofer Gesellschaft, sowie der MPG eine starke Stimme in Deutschland zur Förderung unserer Innovationskultur erheben kannst!

Es ist doch schier unglaublich dass wir in den letzten Jahren mit nur 80Mio Einwohnern die drittstärkste Industrienation geworden sind, nach den USA und China, aber vor Japan, Indien, Russland,…… und ich bin sicher unser Fotschungsorganisationen Fraunhofer, Max Planck und Helmholtz hatten einen wichtigen Anteil daran, da sie besonders unseren Mittelständlern wichtige Hilfe dabei anbieten neueste Forschung in Produkte ...

#3.1 -

Wolfgang Kühnel | Do., 22.01.2026 - 16:07

Antwort auf von Eicke Weber (nicht überprüft)

"eine starke Stimme ... zur Förderung unserer Innovationskultur"

Gewiss, aber eben in der Sichtweise der Direktoren, die offenbar wissen, was gut für unser Land ist, und dabei weitgehend freie Hand beanspruchen. Bei den Universitätsleitungen dagegen glauben zahlreiche Leute, dreinreden zu dürfen, was man tun soll. Und das, obwohl die Rektoren und Präsidenten von Unis ja doch in einer demokratischen Weise gewählt werden. Dennoch will ihnen keiner die Richtung der "Innovationskultur" überlassen, externe Mächte nehmen als Lobbyisten Einfluss, auch Parteipolitiker in Ministerien. Die Begründung: Die Unis gehören sozusagen der ganzen Gesellschaft. Aber wem gehören eigentlich die großen außeruniversitären Forschungsgesellschaften (Max-Planck-, Fraunhofer- ...

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