"Das Problem ist nicht unsere mangelnde Stärke, sondern die Gefahr, sie zu verlieren"
Grünen-Wissenschaftspolitikerin Ayse Asar über Dorothee Bärs Hightech-Agenda, fehlende Prioritäten und warum große Versprechen das Wissenschaftssystem eher frustrieren als voranbringen.

Ayşe Asar (Bündnis 90/Die Grünen) ist seit 2025 Mitglied des Deutschen Bundestags und Fraktionssprecherin für Forschung, Technologie und Raumfahrt. Foto: Grüne Bundestagsfraktion / Stefan Kaminski.
Frau Asar, ist Dorothee Bär eine gute Bundesforschungsministerin?
Man kann ihr zugutehalten, dass sie konstruktiv mit den Ländern arbeitet und den Dialog sucht. Aber gemessen an den realen Herausforderungen des Wissenschaftssystems überzeugt ihre Bilanz bislang nicht. Frau Bär produziert viel Glanz und Schlagzeilen rund um die sogenannte "Hightech-Agenda Deutschland", aber dahinter ist wenig Substanz zu erkennen – und kaum Ambitionen bei der Umsetzung . Gleichzeitig bleibt das "Brot-und-Butter-Geschäft", um einen Ausdruck der Ministerin zu benutzen, weitgehend liegen: von BAföG über Entbürokratisierung, Infrastruktur, Datenpolitik bis zum Wissenschaftszeitvertragsgesetz. Auch bei strategischen Fragen wie der technologischen Souveränität oder der europäischen Forschungsförderung fehlen mir Tempo und Durchschlagskraft. Kurz gesagt: gute Atmosphäre, aber zu wenig klare Konzepte und zu wenig Politik aus einem Guss.
Und was ist für Sie gute Oppositionsarbeit?
Zum einen genau hinzuschauen. Das ist nicht einfach, weil es in der Kommunikation aus dem BMFTR oft an Transparenz fehlt: wenig Berichte, kaum Schriftliches, vieles läuft auf Zuruf. Zum anderen ist unser Anspruch als demokratische Opposition, mit eigenen Konzepten und Ideen zu arbeiten. Gerade arbeiten wir an einem großen Entbürokratisierungsantrag. Wir wollen mit konkreten Vorschlägen Druck machen, damit wirklich etwas passiert. Die Herausforderungen sind auch in der Wissenschaftspolitik so groß, wir müssen deutlich schneller werden.
Sie haben eben von der "demokratischen Opposition" gesprochen. Die größte Oppositionsfraktion ist die AfD. Macht das Ihre Rolle schwerer oder leichter?
Ich nehme die AfD nicht als konstruktive Opposition wahr. Sie ist wissenschaftsfeindlich, bringt keine eigenen Konzepte ein, sondern ist gegen Themen und stellt wissenschaftliche Fakten infrage. Gerade in der Wissenschaftspolitik kann man das nicht ernst nehmen. Ich sehe bei der AfD keinerlei Interesse, das Wissenschaftssystem stark, resilient und zukunftsgerichtet aufzustellen. Das lässt uns Grünen natürlich viel Raum. Aber daran kann ich nichts Positives finden. Der Blick auf die anstehenden Landtagswahlen in ...
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